Das ändert sich für Familien ab 2020

Das Jahr 2020 hält viele Veränderungen bereit. Einige sind für Familien zum Vorteil, andere können schnell ins Geld gehen. Eines ist jedoch sicher, das Bürokratieentlastungsgesetz III und das Starke-Familien-Gesetz sorgen für viele Erleichterungen. Die wichtigsten Änderungen findest du in diesem Artikel.

1 Kinderfreibetrag

Der Kinderfreibetrag erhöht sich auf 5.172 Euro (2019: 4.980 Euro). Darüberhinaus gibt es noch einen Freibetrag für Betreuungs- und Erziehungs- der Ausbildungsbedarf der Kinder in Höhe von 2.640 Euro. Bei der Einkommensteuerveranlagung addiert das Finanzamt diese Beträge. Die Gesamthöhe beträgt 7.812 Euro (2019: 7.620 Euro). Bei getrennter Veranlagung bekommt jeder Elternteil jeweils den halben Betrag.

2 Kinderzuschlag

Die Höchsteinkommensgrenze entfällt, so dass du den Kinderzuschlag auch bei etwas höherem Einkommen beziehen kannst. Dein Einkommen, welches über deinen eigenen Bedarf hinaus geht, rechnet der Staat nur noch zu 45% (2019: 50%) auf den Kinderzuschlag an. Mehr zum Kinderzuschlag gibt es hier.

3 Unterhaltsvorschuss

Der Unterhaltsvorschuss ist eine Leistung für Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben und keinen oder keinen regelmäßigen Unterhalt von dem anderen Elternteil erhalten. Bis zum 12. Geburtstag gibt es den Unterhaltsvorschuss ohne zeitliche Einschränkung. Der Unterhaltsvorschuss beträgt monatlich:

  • Für Kinder von 0-5 Jahren bis zu 165 Euro
  • Für Kinder von 6 bis 11 Jahren bis zu 202 Euro
  • Für Kinder von 12 bis 17 Jahren bis zu 293 Euro

4 Sozialhilfe Regelsatz

Die monatliche Regelsatz steigt um 8 Euro auf 432 Euro. Lebt ein anderer bedürftiger Erwachsener mit in deiner Wohnung, gibt es 389 Euro (2019: 382 Euro). Wenn Kinder in deinem Haushalt leben, steigt der Satz für Kinder unter 5 Jahren um 5 Euro auf 250 Euro monatlich. Bei Kindern zwischen 6 und 13 erhöht sich der Satz um 6 Euro auf 308 Euro pro Monat. Für Jugendliche bis 18 Jahre erhältst du 328 Euro statt wie bisher 322 Euro. Eine Tabelle mit den Regelsätzen findest du hier.

5 Unterhaltssätze für Kinder

Trennungskinder und Studierende bekommen von mehr Geld. Der Mindestunterhalt steigt in allen Altersstufen. Die aktuellen Bedarfswerte findest du in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle zum Kindesunterhalt. 

6 Wohngeldreform

Ab 2020 bekommen mehr Haushalte als vorher Wohngeld. Das Wohngeld bekommst du als Mietzuschuss oder als Lastenzuschuss, wenn du selbstnutzende Eigentümer bist. Die Höhe des Unterstützung richtet sich nach Haushaltsgröße, Einkommen und Miete bzw. Belastung. Einen groben Überblick bieten die Wohngeldtabellen (offizielle Tabelle bei Redaktionsschluss noch nicht verfügbar). Zuständig ist die örtliche Wohngeldbehörde, die Gemeinde-, Stadt, Amts- oder Kreisverwaltung. Zukünftig erfolgt die Anpassung des Zuschusses alle 2 Jahre. Bewilligt bekommest du in der Regel 12 Monate. Es lohnt sich den Antrag jährlich erneut zu stellen.

7 Pflegekosten für Angehörige

Das Angehörigen-Entlastungsgesetz befreit Kinder, die bisher einen Teil der Kosten für ihre pflegebedürftiger Eltern übernehmen, von der Zuzahlungspflicht. Erst ab einem Bruttoeinkommen der Angehörigen von 100.000 Euro darf ein Rückgriff erfolgen. Gleiches gilt auch für Familien, die sich um ein Kind mit Behinderung kümmern.

8 Grundfreibetrag

Deine Lohn- oder Gehaltsabrechnung fällt ab Januar 2020 ein wenig besser aus im Vergleich zum Dezember 2019. Der Grundfreibetrag steigt auf 9.408 Euro (2019: 9.168 Euro) für Ledige. Das ist der Betrag, bis zu dem dein Einkommen steuerfrei bleibt. Zahlst du Unterhalt an nahe Angehörige, ist dies auch der Betrag, den du maximal als Außergewöhnliche Belastung geltend machen kannst.

9 Mindestlohn 

Der Mindestlohn beträgt 9,35 Brutto pro Stunde (2019: 9,19 Euro). Die Grenze für die Minijobs bleibt bei monatlich 450 Euro. Pro Monat darfst du in einem Minijob also maximal 48 Stunden leisten (9,35 Euro x 48 Std. = 448,80 Euro).

10 Durchschnittlicher Zusatzbeitrag gesetzlicher Krankenversicherungen

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag erhöht sich auf 1,1%. Bisher lag der Satz bei 0,9%. 

Dieser gilt für bestimmte Personengruppen, wie Personen im freiwilligen Dienst, Personen die ALG II beziehen oder wenn eine Kasse keinen individuellen Zusatzbeitrag erhebt. Ob daraus tatsächlich ein höheren Zusatzbeitrag resultiert, hängt von der jeweiligen Krankenversicherung ab. Über die tatsächliche Höhe des Beitrags entscheiden die Kassen individuell.

11 Beitragsbemessungsgrenzen

Krankenversicherung

In der Krankenversicherung steigt die Beitragsbemessungsgrenze auf 56.250 Euro pro Jahr (2019: 54.450 Euro). Verdienst du mehr, ist der übersteigende Teil nicht relevant für die Beitragsberechnung. Die Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 62.550 Euro pro Jahr. Ab der Überschreitung dieses Einkommens, besteht keine Verpflichtung mehr sich in der gesetzlichen Krankenversicherung zu versichern.

Rentenversicherung

Die Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung beträgt 6.900 Euro (2019: 6.700 Euro). Das ist der Betrag, bis zu dem der Beitrag zur Rentenversicherung monatlich maximal anfällt. Wenn du im oberen Gehaltsbereich verdienst, heißt das leider, dass du mehr Beiträge zahlst. Aber es ist gut für die betriebliche Altersvorsorge, denn bis zu 4% dieser Beitragsbemessungsgrenze kannst du ohne Abzüge in deine betriebliche Altersvorsorge einzahlen.

12 Beitrag zur Arbeitslosenversicherung 

Der Prozentsatz für die Arbeitslosenversicherung sinkt. Dieser liegt bei 2,4 % (2019: 2,5%). Dieser verringerte Satz gilt bis zum 31.12.2022.

13 Dienstreisen 

Wenn du viel für deinen Arbeitgeber unterwegs bist, bekommst du bei längeren Abwesenheitszeiten den sogenannten Verpflegungsmehraufwand. Diese Pauschale gibt es für den Mehraufwand für Verpflegung der dir entsteht. Dein Arbeitgeber erstattet dir diesen Betrag nach deiner Reise oder du holst ihn dir später über deine Steuererklärung als Werbungskosten zurück.

Verpflegungsmehraufwand

Die nachfolgenden Sätze gelten für das Inland:

  • bei einer Abwesenheit von mindestens 8 Stunden bzw. An-/Abreisetag: 14 Euro (2019: 12 Euro)
  • bei einer Abwesenheit von 24 Stunden: 28 Euro (2019: 24 Euro)

Die Sätze für das Ausland wurden ebenfalls angepasst. Die Liste mit den aktuellen Werten findest du hier.

14 Betriebliche Gesundheitsförderung

Eine Förderung durch den Arbeitgeber ist mit maximal 600 Euro (2019: 500 Euro) pro Jahr möglich. Betriebliche Gesundheitsförderung kurz BGF dient dazu, die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten langfristig zu erhalten. Jeder Arbeitgeber kann zusätzlich zum Gehalt steuer- und sozialversicherungsfreie Zuschüsse (gemäß § 3 Nr. 34 EStG) zur Gesundheitsförderung an seine Arbeitnehmer auszahlen. Darunter fallen Gesundheitskurse zur Verbesserung des Allgemeinen Gesundheitszustandes (z.B. Stressbewältigung) und für die betriebliche Gesundheitsförderung (z.B. Betriebsverpflegung). Für eine Erstattung ist eine Zertifizierung der Anbieter und eine ordnungsgemäße Rechnung erforderlich. Der „Fitnessstudiobeitrag“ fällt in der Regel nicht in diese Regelung hinein. Auskunft erteilt der jeweilige Anbieter oder die Krankenkasse.

15 E-Autos, Hybride und Dienstfahrräder

Kaufprämie

Die Kaufprämie für ausgewählte Elektroautos gilt voraussichtlich bis zum Jahr 2025. Es gibt folgende Prämien:

  • 6.000 Euro für E-Autos mit einem Listenpreis von bis zu 40.000 Euro 
  • 5.000 Euro für E-Autos mit einem Listenpreis über 40.000 Euro und bis 65.000 Euro
  • 4.500 Euro für Plug-in-Hybride 

Diese Prämie bekommst du, indem du einen Umweltbonus-Antrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellst. Hier bekommst du weitere Informationen.

Kfz-Steuer

Für E-Autos gibt es eine Kfz-Steuer. Allerdings existiert eine Steuerbefreiung für 10 Jahre. Diese gilt noch bei erstmaliger Zulassung bis 31.12.2020. Diese Befreiung gilt nur für das jeweilige Fahrzeug und geht bei Halterwechsel auf den neuen Halter über. Die Steuerbefreiung greift nicht für Fahrzeuge mit Hybridantrieb und Elektrofahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer (Range-Extender-Fahrzeuge).

Dienstwagen

Der Bundestag veränderte den sogenannten Geldwerten Vorteil für die private Nutzung eines Elektrodienstwagens noch einmal zugunsten der Steuerzahler. Für Autos mit einem Bruttolistenpreis unter 40.000 Euro erfolgt die Besteuerung des Privatanteils nur noch mit 0,25% des Bruttolistenpreises (§ 6 Abs. 1 Nr 4 Satz 2 EStG). Für Plug-in-Hybride gilt nach wie vor der Satz von 0,50%, wenn es mindestens 40 km weit rein elektrisch schafft oder maximal 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Die Regelung bleibt bis 2030 bestehen.

Das Aufladen eines Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugs im Betrieb des Arbeitgebers ist bis Ende 2030 steuerfrei. Das gilt auch, wenn dir eine betriebliche Ladevorrichtung zur privaten Nutzung zur Verfügung steht.

Dienstrad

Die Förderung von umweltverträglicher Mobilität gilt nun bis 2030. Die Überlassung eines betrieblichen Fahrrads durch den Arbeitgeber bleibt steuerfrei. Dabei ist es egal, ob es ein Elektrofahrrad ist oder ein herkömmliches Rad.

16 Sparen bei Hygieneartikeln, digitaler Presse und der Bahn

Für Hygieneartikel gilt nun der Mehrwertsteuersatz von 7%. Die sogenannte „Tampon-Steuer“ ist dank einer Petition an den Bundestag ab sofort Geschichte. 

Digitale Zeitungen, Zeitschriften und Bücher unterliegen zukünftig auch dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7%. Das gilt ebenso für Online-Kioske, die verschiedene Angebote dieser Art bündeln. 

Bahntickets erhältst du zukünftig günstiger. Auch hier gilt der ermäßigte Steuersatz von 7% und die Deutsche Bahn gibt diese Vergünstigung an dich als Kunden weiter. So zahlst du für das günstigste ICE-Ticket 17,90 Euro (2019: 19,90 Euro). Mit der BahnCard sind es sogar nur 13,40 Euro (2019: 14,90 Euro).

17 Stromkosten 

Zwei Faktoren führen zu einer Erhöhung der Stromkosten. Zum einen steigen die Netzkosten um rund 6% und die Umlage des erneuerbare Energien Gesetz (kurz: EEG) erhöht sich um 5,5%. Einige Energieversorger kündigten bereits eine Preiserhöhung an. Viele ziehen aller Voraussicht nach im ersten Halbjahr 2020 nach. Mach am besten jetzt einen Strompreisvergleich.

18 Flugtickets

Die Erhöhung der Luftverkehrssteuer trifft zum Teil auch die Passagiere. Innerhalb der EU steigt der Preis pro Ticket um 5 Euro auf 13,03 Euro. Bei Flügen bis 6.000 km kommen 10 Euro hinzu, hier zahlst du 33,01 Euro. Bei Strecken von über 6.000 km ergibt sich ein Plus von 18 Euro auf insgesamt 59,43 Euro. 

19 Massenimpf-Pflicht

Ab 01.03.2020 nehmen Kitas und Schulen deine Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr nur auf, wenn du ihre Impfung gegen Masern nachweist. Dies betrifft auch die Betreuung bei Kindertagespflegepersonen. Bist du selbst in einer Gemeinschafts- oder medizinischen Einrichtung tätig, besteht für dich ebenfalls Impfpflicht gegen Masern. Ist dein Kind bereits in einer Betreuungseinrichtung oder Schule, reicht es den Nachweis der Impfung bis zum 31.07.2021 einzureichen. 

Wie erfolgt der Nachweis?

Ein Impfausweis, das gelber Kinderuntersuchungsheft oder, bei bereits erlittener Krankheit, ein ärztliches Attest dienen als Nachweis. Dieser ist in der Regel gegenüber der Leitung der Einrichtung zu Erbringen, die dein Kind betreut.

Ausnahmen

Es gelten folgende Ausnahmen von der Impflicht gegen Masern:

  • Personen bei denen ein medizinischer Grund dagegen besteht
  • Personen mit Geburtsjahrgang vor 1970 und 
  • Personen die bereits die Masern hatten

20 Straßenverkehrsordnung – Bußgelder drastisch erhöht

Es gibt gravierende Änderungen der Straßenverkehrsordnung bzw. bei den Bußgeldern. Nachfolgend findest du Auszüge:

Wenn du mit dem Auto falsch parkst bzw. hältst, kann es richtig teuer werden. Besteht durch das Parken in zweiter Reihe eine Gefährdung für Fahrradfahrer, kostet das 80 Euro (vorher 20 Euro). Parkst du auf einem Radweg und behinderst Radler zahlst du 70 Euro (vorher 30 Euro). Je nach Gefährdung gibt es außerdem einen Punkt in Flensburg.

Blockierst du eine Rettungsgasse oder befährst diese selbst, kostet das zwischen 200 und 320 Euro. Zusätzlich verlierst du für einen Monat deinen Führerschein und bekommst 2 Punkte in Flensburg. Wie eine Rettungsgasse richtig geht, siehst du hier.


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