Blähungen & Bauchschmerzen beim Baby – erkennen, behandeln und trösten

Koliken sind ein Begriff, den gerade junge Eltern sehr häufig hören. Weint ein Baby oft, scheint es sich zu verkrampfen oder ist unruhig, wird meist auf Blähungen verwiesen. Bevor jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten getestet werden, ist es wichtig herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Blähungen handelt und wo die Ursache liegt.

Blähungen erkennen – Anzeichen für Verdauungsprobleme bei einem Säugling

Der Darm deines Babys muss auch nach der Geburt noch eine weitere Entwicklung durchmachen und ist nicht komplett ausgereift. Während einige Babys gar keine Schwierigkeiten mit dieser Weiterreifung des Darms haben, leiden andere Säuglinge stark – oft auch unabhängig davon, ob sie Muttermilch oder Flaschenmilch bekommen. Einige Symptome deuten stark darauf hin, dass dein Baby unter Blähungen leidet. Sie können einzeln oder zusammen auftreten:

  1. Dein Baby zieht die Beine immer wieder an den Körper und versteift sich dabei.
  2. Dein Baby wurde gewickelt, gefüttert und weint scheinbar ohne Grund. Dabei windet es sich stark.
  3. Beim Schreien entweicht immer wieder Luft aus dem Darm.
  4. Das Schreien klingt wie ein Kreischen und deutet darauf hin, dass dein Baby Schmerzen hat.
  5. Der Bauch gurgelt und rumort deutlich.
  6. Der Bauch fühlt sich hart und unnachgiebig an, wenn du ihn leicht massierst.
  7. Einige Babys spucken besonders häufig, wenn sie unter Blähungen leiden.

Teilweise erkennen Eltern ein Muster. So leiden einige Kinder meist nach der Nahrungsaufnahme unter den Blähungen. Andere reagieren erst einige Stunden später oder verweigern die Milch, wenn sie Bauchschmerzen haben.

Ursachenforschung – mögliche Auslöser für die Verdauungsprobleme

Es gibt verschiedene Auslöser für Blähungen und um diese dauerhaft in den Griff zu bekommen ist es wichtig, nicht nur die Symptome, sondern in erster Linie die Ursachen zu lindern. Die nachfolgenden Hinweise können möglicherweise Aufschluss darüber gehen, was bei deinem Baby der Auslöser ist:

1) Lebensmittelallergie oder Unverträglichkeit ausschließen

Dieser Punkt trifft vor allem dann zu, wenn du stillst. Normalerweise können sich stillende Mütter ganz normal ernähren. Auch die Aufnahme von blähenden Lebensmitteln ist erst einmal per se nicht schlimm. Die Nahrung, die die Mutter aufnimmt, wird von ihr verdaut. Daher kommt es kaum vor, dass Säuglinge von ihr Blähungen bekommen. Du kannst es dennoch ausprobieren, indem du blähende Lebensmittel vermeidest und dein Baby daraufhin genau beobachtest. Setze nach und nach einzelne Produkte aus und beobachte einige Tage, was passiert.

Milchprodukte können ein Auslöser für Blähungen sein, wenn das Baby eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) hat. Säuglinge mit einer Laktoseintoleranz haben anhaltenden Durchfall und nehmen nicht genug zu. Wenn sich dein Baby also trotz des vielen Schreiens gut entwickelt, lässt sich eine Laktoseintoleranz ausschließen. Laktoseintoleranz ist im Säuglingsalter jedoch extrem selten und daher meist schnell auszuschließen. Einige Babys entwickeln aber eine Kuhmilchunverträglichkeit. Wenn du voll stillst, kannst du eine Zeit lang Kuhmilchprodukte weglassen. Für Fläschchenkinder gibt es in solchen Fällen Spezialnahrung. Bessern sich die Blähungen nicht, ist dies vermutlich nicht der Grund für die Blähungen deines Babys.

2) Hektisches Trinken in ruhige Nahrungsaufnahme umwandeln

Ein weiterer Punkt, der für Beschwerden sorgen kann, ist die Aufnahme von zu viel Luft. Diese muss natürlich auch wieder aus dem Körper heraus und sucht sich ihren Weg über den Darm. Hier lässt sie Blähungen und Schmerzen entstehen. Egal, ob dein Baby aus der Flasche oder von der Brust trinkt – wenn es zu hektisch ist oder sehr viel Milch herauskommt und es schnell schlucken muss, dann gelangt auch eine Menge Luft in den Magen. Oft findet sich sogar in der Flasche selbst bereits viel Luft. Viele Eltern mischen das Wasser und das Milchpulver durch Schütteln der Flasche. Besser ist es jedoch, beides mit einem Löffel zu verrühren, damit sich keine Luftblasen bilden.

Schaffe eine ruhige Umgebung für die Nahrungsaufnahme und löse dein Baby im passenden Moment immer wieder von der Brust oder nehmen die Flasche aus dem Mund. Lass dein Baby ruhig zwischendurch aufstoßen und achte darauf, dass es ruhig und entspannt trinken kann. Nach dem Bäuerchen kann es dann weitergehen. Frisch gebackene Mamas haben häufig zu viel Milch. Versuche die Brust nach dem Auslösen des Milchspendereflexes noch ein wenig auszustreichen, bevor dein Baby trinkt, damit es sich nicht verschluckt.

3) Die Brust richtig geben

In den ersten Tagen und Monaten nach der Geburt, wenn du und dein Baby noch auf dem Weg seid, ein eingespieltes Still-Team zu werden, kann es gut sein, dass dein Baby die Brust nicht richtig zu fassen bekommt. Das bereitet nicht nur dir Schmerzen beim Stillen, es sorgt auch dafür, dass beim Trinken Luft aufgenommen wird. Bist du unsicher, ob du dein Baby richtig anlegest, kannst du bei der Hebamme oder einer Stillberaterin nachfragen.

4) Behandlung eines Geburtstraumas / Ausschluss von Stress

Bei einigen Babys sind die Verdauungsprobleme ein Zeichen für ein Geburtstrauma oder für starken Stress. Lass ein Trauma von deinem Kinderarzt ausschließen. Es kann ebenfalls sinnvoll sein, einen Besuch bei einem Ostheopaten in Angriff zu nehmen und kontrollieren zu lassen, ob dein Baby Blockaden hat. Möglicherweise reagiert dein Baby stark auf Stress. Sag Besuche, Termine und Ausflüge ab, kuschle dich gemeinsam mit deinem Baby ins Bett und nimm Geschwindigkeit aus dem Alltag.

5) Fluor-Unverträglichkeit

Nach der Geburt empfehlen Ärzte die Gabe von Fluor, zum Beispiel durch ein Präparat für Vitamin-D mit Fluor. Viele Babys reagieren darauf mit einer Unverträglichkeit. Die Vigantoletten (Vitamin-D Tabletten) gibt es auch als Variante ohne Fluor und als Öl. Versuche, ob dein Baby das besser verträgt.

Massage und Wärme gegen die Schmerzen

Einige der wohl ältesten Hilfsmittel gegen Blähungen beim Baby sind Wärme und eine Bauchmassage. Verzichte auf eine Wärmeflasche, greif lieber zu einem Wärmekissen. Hier gibt es auch kleine Ausführungen, die ideal für den Einsatz bei Babys geeignet sind.

Tipp: Nimm statt einem Kirschkernkissen ein Dinkelkissen. Die kleinen Dinkelkörner speichern die Wärme ebenfalls gut, sind jedoch deutlich leichter und beschweren den Bauch nicht so.

Wärme das Kissen an, leg es auf das Bäuchlein und halte dein Baby fest im Arm. So verhinderst du, dass das Kissen verrutscht und tröstest dein Baby gleichzeitig durch deine Nähe und deinen Duft. Wiegende Bewegungen wirken zudem beruhigend.

Du kannst zusätzlich eine Babymassage anwenden. Diese kann durchaus vorbeugend eingesetzt werden und so bei deinem Baby für Entspannung sorgen. Mach die Massage in einer ruhigen und warmen Umgebung. Nimm dir viel Zeit. Wärme ein Handtuch an und leg dein Baby unter eine Wärmelampe. Gerade nach einem Bad bietet sich die Babymassage an.

So funktioniert die Babymassage:

  1. Zieh dein Baby ganz aus und hülle es in ein Handtuch.
  2. Wärme Öl in deiner Hand und massiere es mit kreisenden Bewegungen leicht in den Bauch ein.
  3. Beweg die Hände im Uhrzeigersinn und beobachte die Reaktionen deines Babys. Das kannst du beliebig oft wiederholen. Du kannst mit deinem Finger ruhig 0,5 – 1 cm tief drücken, da die Massage ansonsten eher ein Streicheln ist und keine Wirkung zeigt.
  4. Greif nun nach den Beinchen und führe diese vorsichtig an den Bauch heran, anschließend strecke die Beinchen wieder. Mach dies einige Male hintereinander.
  5. Streiche noch einmal über den Bauch und lass deine Bewegungen über die Arme und Beine ausklingen.
  6. Gib deinem Baby nun noch etwas Zeit zum Strampeln. So können sich die Winde lösen.

Die Homöopathie als Helfer bei Blähungen beim Baby

Manchmal kann es sinnvoll sein, Hilfe in der Homöopathie zu suchen. Es gibt einige Hilfsmittel, die sich bewährt haben. Dazu gehören:

  • Chamomilla: Hierbei handelt es sich um eine Essenz, die aus der frischen Kamille gewonnen wird. Kamille gilt als natürliches Mittel gegen Bauchschmerzen und Blähungen. Chamomilla gibt es als Globuli.
  • Okoubaka D3: Auch diese Globuli können dabei helfen, die Winde im Darm zu lösen. Die Globuli können dem Baby direkt gegeben werden. Stillst du dein Baby, dann kannst du diese auch selbst einnehmen und die Wirkstoffe über die Muttermilch an dein Baby weiterreichen.
  • Dillsamen-Sud: Du kannst einen Sud aus Dillsamen aufgießen, die du in der Apotheke erhältst. Nimm einen Teelöffel Dillsamen und gieße abgekochtes Wasser auf. Der Sud sollte wenigstens 10 Minuten ziehen und anschließend abkühlen. Du kannst ihn löffelweise deinem Baby geben.

Tipp: Kennst du schon die Paderborner Pupsglobuli? Der Name kommt nicht von ungefähr, denn die Globuli enthalten eine Mischung aus Anis, Fenchel und Kümmel, Kamille sowie Balsamapfel und Yamswurzel.

Medikamente gegen Blähungen bei Babys

Gerade bei Säuglingen ist der Einsatz von Medikamenten die letzte Lösung. Verzweifelte Eltern möchten ihren Kindern helfen und vertrauen auf die Hilfe aus der Apotheke. Die Wirkung einiger beliebter Mittel ist allerdings umstritten. Wenn Hausmittel, Wärme und Massage nicht mehr wirken, dann können Sie einen Schaumlöser ausprobieren. Diese Medikamente wirken direkt in Magen und Darm und lösen den Schaum auf, der als Auslöser für Blähungen zuständig ist. Die Medikamente können über einen Löffel oder in der Milch gereicht werden. Ein Beispiel hierfür ist das „Lefax Pump-Liquid“.

Wann solltest du den Arzt aufsuchen?

Auch wenn Blähungen für dein Baby schmerzhaft und unangenehm sind, so sind sie meist noch kein Grund, den Arzt aufzusuchen. Kannst du Lebensmittelunverträglichkeiten sowie eine Unverträglichkeit gegen Laktose ausschließen, sind Hausmittel ein guter Helfer, um die Blähungen zu reduzieren. Dennoch gibt es einige Punkte, die als Zeichen dienen, besser zu einem Arzt zu gehen. Suche den Kinderarzt auf, wenn:

  • Dein Baby nach jeder Mahlzeit starke Schreiattacken und offensichtlich Schmerzen hat.
  • der Stuhlgang deines Babys sehr flüssig, schaumig oder stark farblich verändert ist.
  • der Stuhlgang eine sehr feste Konsistenz hat.
  • Dein Baby keine Nahrung mehr aufnehmen möchte.
  • die Gewichtszunahme stagniert oder dein Baby an Gewicht verliert.

Hinweis: Sprich auch deine Hebamme bei Problemen mit der Verdauung deines Babys an und lass dir von ihr die Massage zeigen. Sie kann zudem das Gewicht gut kontrollieren.

Schnelle Hilfe bei akuten Blähungen

Wenn dein Baby stark unter akuten Blähungen leidet, ist es wichtig, dass du schnell reagierst. Mit der nachfolgenden Checkliste hast du schnelle Hilfe an der Hand, die du ausprobieren kannst.

  • Wärmekissen: Erwärme ein Dinkel- oder Kirschkernkissen und leg es vorsichtig auf den Bauch des Babys.
  • Massage: Reibe den Bauch des Babys mit Öl ein und führe eine entspannende Massage um den Bauchnabel herum im Uhrzeigersinn durch.
  • Warmes Bad: Ein warmes Bad kann helfen, dass sich der Bauch entspannt.
  • Kümmelsud: Kümmelsud kann eine gute Hilfe sein. Heißes Wasser wird über Kümmelsamen gegossen, der Sud zieht kurz und wird nach dem Abkühlen über den Löffel verabreicht.
  • Fliegergriff: Der Fliegergriff sorgt mit etwas Druck dafür, dass sich die Winde im Bauch lösen.
  • Tragetuch: Einige Babys beruhigen und entspannen sich, wenn sie eng am Körper von Mama oder Papa im Tragetuch sind.
  • Schaumlöser: Schaumlösende Medikamente können Blähungen schnell lindern.

Für dein Baby ist es wichtig, dass du ihm mit Ruhe und Geduld zur Seite stehst. Wechsle dich daher mit deinem Partner beim Trösten ab, damit ihr zwischendurch ebenfalls zur Ruhe kommt.

Wenn du Fragen zum Thema Blähungen und Bauchschmerzen beim Baby hast, schreib uns einfach einen Kommentar. 


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