Babys tragen – körperliche Nähe als Beruhigung für das Baby

Eine besondere Möglichkeit, das Baby zu beruhigen, wenn es viel weint oder nicht in den Schlaf findet, ist das Tragen. Über die Jahrhunderte hinweg wurden Babys getragen. Was früher einfach nicht anders möglich war, da es noch keine Kinderwagen gab und die Babys ohne Schutz waren, wenn sie einfach abgelegt wurden, wird heute für mehr Freiheit und für eine optimale Beruhigung wieder Trend.

Geboren als Tragling – warum das Tragen so beruhigend ist

Wenn Ihr Baby geboren wird, ist es auf Ihren Schutz und Ihre Unterstützung angewiesen. Noch tief aus der Evolution heraus ist hier das Bedürfnis verankert, dicht am Körper von Mama oder auch Papa getragen zu werden. Vielleicht haben Sie schon einmal den Moro-Reflex beobachtet, wenn Ihr Baby schnell die Arme und Beine nach oben reißt und eine Faust bildet. Dies ist eine reflexartige Handlung, um sich am Rücken oder dem Bauch der Eltern festhalten zu können, wenn das Baby das Gefühl hat zu fallen. Grund ist, dass Ihr Baby als Tragling geboren wird.

Wurden Kinder in früheren Zeiten abgelegt, bedeutete dies für sie in den meisten Fällen den Tod. Dieser konnte auf verschiedenen Wegen kommen. Verhungern, erfrieren oder auch gefressen werden – die Urängste sind noch tief in einem Säugling verankert.

Zudem darf nicht vergessen werden, dass Ihr Baby in Ihrem Bauch Ihren Herzschlag und das Blut rauschen gehört hat. Diese sanften und beruhigenden Töne sind nun nicht mehr zu hören. Stattdessen ist es laut, Ihr Baby muss mit zahlreichen fremden Stimmen umgehen und soll dennoch zur Ruhe finden. Wenn es jedoch getragen wird, liegt das Köpfchen auf Ihrer Brust. Ihr Baby spürt die Wärme und hört Ihren Herzschlag. Das hilft oft schon, um es zu beruhigen.
Weitere Infos dazu gibt es auch im Artikel über Weißes Rauschen.

Die Trageruhe und ihre Auswirkung

Forschungen haben gezeigt, dass sich die Beruhigung des Tragens auf den gesamten Körper des Kindes auswirken kann. So tritt eine sogenannte Trageruhe ein. Der Herzschlag Ihres Babys wird ruhiger. Weint es, so kann es sich beim Tragen normalerweise deutlich besser beruhigen. Seine Bewegungen lassen nach. Damit tritt ein Zustand der Entspannung ein. Wird Ihr Baby wieder abgelegt, zeigt sich hier eine Reaktion des Herzens. Der Herzschlag nimmt wieder zu.

Begrenzung geben – beruhigende Enge für Ihr Baby

Neben den Geräuschen, die Ihr Baby im Mutterleib immer wieder gehört hat, gehört auch die Begrenzung zu den Dingen, die beruhigend wirken können. Stellen Sie sich vor, Sie waren über Monate in einer Blase. Haben Sie die Arme oder Beine bewegt, so haben Sie hier eine Begrenzung gespürt und sich sicher gefühlt. Nun ist da, wenn Sie sich bewegen, gar nichts mehr. Sie spüren nur Leere. Auch wenn Erwachsene dies natürlich rational verstehen können, so fühlt sich Ihr Baby in dieser Welt ohne Grenzen möglicherweise nicht geborgen. Es ist ängstlich und kann nicht zur Ruhe kommen. Mit einem Tragetuch können Sie dem entgegenwirken. Die Schutzschichten wirken wie die „Umarmung der Gebärmutter“. Ihr Baby fühlt sich sicher und geborgen. Gerade auch Schreibabys finden häufig nur im Tuch Ruhe und können sich hier entspannen. Dies ist dann nicht nur eine Erleichterung für Ihr Baby, sondern auch für Sie.

Immer in Bewegung – Beruhigung und Anreize für Ihr Baby

Wenn Sie Ihr Baby am Körper tragen, dann hat das einen weiteren Vorteil: Ihr Baby ist immer in Bewegung. Sanft wird es geschaukelt und spürt die Wärme Ihrer Haut an seiner Haut. Das kann ebenfalls sehr beruhigend wirken. Zudem bekommt es zahlreiche Anregungen dadurch, dass es immer bei Ihnen ist und nicht nur im Bett oder in der Wiege liegt. Das wirkt sich positiv auf die Entwicklung des Gehirns aus. Auch die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Baby wird durch den ständigen Körperkontakt gestärkt.

Nicht zu vergessen sind die positiven Aspekte für die motorische Entwicklung. Ihr Baby passt sich Ihren Bewegungen an und verlagert immer wieder den Schwerpunkt. Dadurch werden die Nerven und Muskeln besser ausgebildet.

Massageeffekt – Tragen bei Verdauungsproblemen

Babys, die viel weinen, haben teilweise Probleme mit der Verdauung. Es machen sich Bauchschmerzen breit, es zeigen sich Blähungen und Schwierigkeiten beim Stuhlgang. Ihr Baby zieht die Beine krampfhaft an den kleinen Körper und weiß sich nicht zu helfen. Beim Tragen ist der Bauch Ihres Babys an Ihrem Bauch und erfährt dadurch nicht nur beruhigende Wärme, sondern auch eine sanfte Massage bei Ihren Bewegungen. Dadurch fällt es Babys oft leichter, aufzustoßen oder auch Luft aus dem Darm austreten zu lassen. Teilweise kann sogar beobachtet werden, dass Babys im Tuch die Windeln leichter voll machen. Einen Versuch für die Beruhigung ist es auf jeden Fall wert.

Hinweis: Das Kinderspital Zürich hat zum Tragen eine Studie durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass getragene Kinder oft ausgeglichener und ruhiger sind. Zudem wird darauf verwiesen, dass sich die Schreidauer durch das Tragen verringern lässt.

Richtig tragen – wichtige Hinweise zum Einsatz von Tragehilfen

Tragen ist gut und wichtig für Ihr Baby, allerdings gibt es noch einige Aspekte, die hier beachtet werden sollten. Sie haben verschiedene Möglichkeiten, Ihr Baby zu tragen. So können Sie beispielsweise zu einem Tuch greifen oder sich auch eine Tragehilfe kaufen. Damit Ihr Baby sicher und gesund in dem Tuch oder der Trage sitzt, ist eine Spreizhaltung notwendig. Nicht jede Tragehilfe kann diese bieten. Zudem ist es wichtig, dass Ihr Baby in den natürlichen Rundrücken gehen kann. Dies ist nicht möglich, wenn es mit dem Gesicht nach vorne getragen wird oder die Trage aus einem zu festen Stoff gefertigt wird.

Es gibt Tragehilfen, die aus Tragetuchstoff gefertigt werden. Auch Kombinationen aus Tuch und Trage sind möglich. Welche Variante für Sie geeignet ist, können Sie in einer Trageberatung herausfinden. Hier erhalten Sie einen Einblick in die verschiedenen Tragehilfen, bekommen Unterstützung beim ersten Binden und finden eine Lösung, die für Sie und Ihr Baby optimal ist.

Vorteile des Tragens für die Eltern

Neben der Möglichkeit, dass Sie eine enge Bindung zu Ihrem Baby aufbauen, hat das Tragen auch für Sie noch weitere Vorteile. So haben Sie beide Hände frei, können sich um den Haushalt, den Einkauf oder auch um Geschwisterkinder kümmern, nebenbei arbeiten oder einfach einmal zur Ruhe kommen. Denn nicht nur für Ihr Baby, auch für Sie kann das Tragen zu einer Angelegenheit werden, die Sie genießen.

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