Baby schreit: So kannst du dein Baby wirklich beruhigen

Dein Baby schreit und du hast natürlich den Wunsch, es möglichst schnell zu beruhigen. Dieser Wunsch ist ganz natürlich, die Beruhigung selbst jedoch nicht immer ganz einfach. Umso wichtiger ist es, dass du verschiedene Methoden kennst, auf die du zurückgreifen kannst.

Den Mutterleib nachstellen – effektive Beruhigung für dein Baby

Dein Baby hat eine ruhige Zeit im Bauch der Mutter hinter sich. Hier ist es gut geschützt herangewachsen. Umgeben von der Gebärmutter und dem Bauch, fühlte es sich geborgen. Es wurde durch die Bewegungen der Mutter sanft geschaukelt. Der Herzschlag und das Rauschen des Blutes waren die beste Musik, um in den Schlaf zu finden. Nun wird dein Baby geboren und diese Geborgenheit geht erst einmal verloren. Das kann zu Verwirrung führen. Möglicherweise findet dein Baby so keine Ruhe mehr. Eine sehr gute Lösung kann es sein, den Mutterleib nachzustellen, wenn dein Baby schreit. Dies funktioniert auf verschiedenen Wegen:

1. Enge schaffen

Dein Baby braucht nicht viel Platz. Ganz im Gegenteil – einige Babys haben große Probleme damit, dass sie um sich herum keine Grenzen spüren. Vielleicht hast du schon einmal vom Moro-Reflex gehört. Hierbei handelt es sich um den Überlebensinstinkt deines Babys, auf bedrohliche Situationen mit einem Klammer-Reflex zu reagieren. Bei diesem Reflex kann schon ein kleines Geräusch ausreichen, um ihn auszulösen. Dabei streckt dein Baby die Arme und Beine ruckartig nach oben. Dies kann dafür sorgen, dass es nicht zur Ruhe kommt. Du kannst eine Begrenzung schaffen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein Klassiker ist das Pucken (siehe Bild). Durch das Einschlagen in einem Tuch werden die Ärmchen und Beinchen sanft fixiert und dein Baby kann zur Ruhe kommen (Baby pucken: Anleitung, Vor- und Nachteile). Auch eine Federwiege oder der Einsatz von einem Tuch können hilfreich sein. Mit dem Tuch bindest du das Baby an deinen Oberkörper. Dabei wird eine enge Bindeweise genutzt.

Pucken: Anleitung
So pucken Sie Ihr Baby richtig.

2. Sanfte Bewegung

Dein Baby liebt es, sanft bewegt zu werden. Nimm dein Baby in den Arm, gib ihm Wärme und schaukle es sanft. Sehr beliebt ist der Einsatz eines Gymnastikballs. Die großen Bälle sind eine sehr gute Grundlage für sanfte Bewegungen. Setz dich mit deinem Baby auf den Ball und hüpf vorsichtig auf und ab. Auch bei dieser Variante kann ein Tuch helfen. Durch die Nähe zu deinem Körper spürt dein Baby deine Bewegungen und wird sanft geschaukelt. Auch die Federwiege oder eine Wippe eignen sich, wenn dein Baby viel schreit. Du solltest es jedoch nicht schreiend ablegen. Es dient eher dem Anhalten der Ruhephase, sobald es sich beruhigt hat.

3. Zarte Geräusche nutzen

Deine Stimme hat dein Baby schon im Mutterleib beruhigt. Auch jetzt kannst du diese als Beruhigung einsetzen, wenn dein Baby schreit. Du kannst ein ruhiges Lied singen. Es gibt jedoch eine Methode die noch erfolgsversprechender ist: Mit sogenanntem Weißen Rauschen kannst du die Geräuschkulisse im Mutterleib nachstellen. Dein Baby wird sich dadurch schneller beruhigen. Weißes Rauschen als Download und weitere Hintergrundinformationen findest du hier.

Kombiniere die einzelnen Punkte miteinander. Sie kannst dein Baby ins Tuch binden und dich sanft bewegen sowie Schhhh-Laute machen. Sie kannst auch dein Baby fest im Arm halten und dich auf den Ball setzen, um in Bewegung zu bleiben. Die Kombination hilft deinem Baby, sich schneller zu beruhigen.

Die enge Bindung – das Tragetuch oder die Tragehilfe als Beruhigung

Kaum etwas ist für dein Baby so beruhigend, wie die Nähe von Mama und Papa. Bereits seit Jahrtausenden werden Babys von ihren Eltern getragen. Oft war es gar nicht anders möglich, da die Eltern arbeiten mussten und ein Ablegen der Babys für sie gefährlich werden konnte. Heute ist das Tragen am Körper vor allem für Eltern und Kind eine Möglichkeit, eine besondere Bindung aufzubauen. Es ist aber auch eine Option, dein Baby zu beruhigen. Durch das Tragen hast du den Nachwuchs eng am Körper. Es spürt deine Wärme und hört deinen Herzschlag, es geht mit deinen Bewegungen mit und ist eng eingebunden. Du kannst dein Baby in einem Tuch oder in einer ergonomischen Tragehilfe an deinen Körper binden. Zudem kannst du zwischen dem Bauch und dem Rücken wählen.

Es gibt spezielle Trageberatungen. Die ausgebildeten Trageberater zeigen dir, welche Varianten es gibt. Sie bieten einen Einblick in die verschiedenen Bindetechniken und geben dir die unterschiedlichen Tücher und Tragen zum Testen. Ideal ist es, wenn du gemeinsam mit deinem Baby die Beratung durchführen kannst. So stellst du fest, welche der Trageoptionen zu dir und deinem Baby passt.

Saugreflex nutzen – Beruhigung des Babys durch Nuckel oder Finger

Dein Baby hat einen ausgeprägten Saugreflex und wenn dieser nicht bedient wird, kann dies durchaus zu Unruhe und auch zum Schreien führen. Du hast hier verschiedene Möglichkeiten. Biete seinem Kind einen Nuckel oder auch deinen sauberen Finger an. Nuckel gibt es inzwischen in verschiedenen Varianten, aus Latex oder Kautschuk, mit Kirschform oder auch mit einer geraden Form. Probier  aus, was am besten zu deinem Baby passt und womit es sich besonders schnell beruhigt. Es gibt Babys, die lehnen den Nuckel ab. In diesem Fall kannst du deinen kleinen Finger anbieten. Reinige diesen vorher ausreichend und achte auf kurze Fingernägel. Die Fingernagelseite dabei immer nach unten zeigen lassen, damit du deinem Baby im Mund keine Verletzungen zufügst.

Stillen – viel mehr als nur Nahrungsaufnahme

Wenn du dein Baby stillst, kannst du auch dies als Beruhigung verwenden, wenn es schreit. Stillen ist viel mehr als nur Nahrungsaufnahme. Es dient auch dazu, das Bedürfnis nach Nähe und Beruhigung zu stillen. Nutz dies ruhig. Leg dein Baby an, wenn es schreit und biete ihm die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Dein Baby spürt deine Wärme und kann deinen Duft aufnehmen. Zudem kann es durch die Milch den Bauch füllen und anschließend einschlafen. Dies funktioniert natürlich nicht immer. Einige Babys lassen sich auch durch die Brust nicht beruhigen.

Bedenk auch, dass Muttermilch schnell vom Magen verarbeitet wird. Unruhe und Schreien können dadurch auch dann ein Hinweis auf Hunger sein, wenn du gerade erst vor einer Stunde gestillt hast. Mehr dazu im Artikel über Clusterfeeding.

Reize abschalten – Ruhe für das Baby

Einige Babys tun sich schwer mit zu vielen Reizen. Sie können nicht damit umgehen, wenn viel Besuch kommt oder ständige Geräusche in der Umgebung sind. Dabei ist es gut, wenn du diese Reize abschaltest. Oft siehst du die Geräusche vielleicht gar nicht als Reize an. Du entspannst beim Füttern bei einer Fernsehsendung? Du hörst gerne Musik, um den Tag ausklingen zu lassen? Oma und Opa schauen jeden Tag vorbei, um das Enkelchen zu sehen? Dies ist für dich keine Anstrengung, für dein Baby vielleicht schon. Die meisten Reize kannst du sehr schnell ausschalten. Verzichte auf den Fernseher und lies lieber ein Buch. Lass die Musik aus und summ ein leises Lied für dein Baby. Natürlich kannst du dir auch Kopfhörer aufsetzen.

Du kannst auch die Besuche reduzieren oder dafür sorgen, dass du nach Hause gehst, wenn du merkst, dass dein Baby zu unruhig wird. Lad Besucher vielleicht nicht ein, sondern geh lieber hin. So hast du die Möglichkeit, nach Hause zu gehen, wenn es deinem Baby zu viel wird.

Ein weiterer Punkt ist die Helligkeit. Natürlich brauchst du in den Abendstunden Licht. Für dein Baby kann es jedoch zu hell sein. Lass die Deckenlampe aus und mach dir nur die Nachttischlampe an. Diese kannst du noch dimmen, wenn du ein Tuch über die Lampe legst.

Ablenkung schaffen – ideal für ältere Babys

In den ersten Wochen nach der Geburt kann Ablenkung das Schreien eher verstärken, als es zu reduzieren. Dies ändert sich jedoch, wenn dein Baby älter wird. Du kannst schauen, woher das Schreien oder Weinen kommt. Sind alle Bedürfnisse offensichtlich befriedigt, kannst du eine Unterhaltung anbieten. Eine Spieluhr, ein Kuscheltier, Türmchen bauen oder auch eine Rassel – reagiert dein Kind nicht auf das Spielzeug, solltest du jedoch anderweitig für Beruhigung sorgen. Gerade bei einem Kind, das sehr sensibel auf Reize reagiert, kann die Ablenkung jedoch auch das Gegenteil bewirken. Daher ist dieser Hinweis nur dann hilfreich, wenn sich dein Kind gerne ablenken lässt.

Regelmäßige Rituale als Beruhigung

Natürlich sollest du mit der Geburt deines Babys nicht dein gesamtes Leben auf den Kopf stellen. Dennoch ändert sich natürlich der Tagesablauf und das ist auch gut und wichtig für dein Kind. Rituale und regelmäßige Abläufe, die jeden Tag wieder durchgeführt werden, geben deinem Baby Sicherheit. Das können ganz unterschiedliche Rituale sein.

Ein Bad am Abend kann deinem Baby vielleicht helfen, den Tag besser zu verarbeiten. Jeden Abend oder jeden Morgen das gleiche Lied, eine sanfte Babymassage oder eine Spieluhr, die immer zur gleichen Zeit abgespielt wird, sind einige Beispiele dafür, welche Möglichkeiten du hast.

Bist du häufiger unterwegs, kannst du nach Ritualen schauen, die sich auch unterwegs durchführen lassen. Gerade Kinderlieder, die du zur Beruhigung singst oder auch die Babymassage sind dabei gute Punkte.

Achte auf deine eigene Stimmung

Die Beruhigung eines schreienden Babys ist nicht nur abhängig von den Methoden, die du auswählst, sondern auch von deiner persönlichen Stimmung und deinen Empfindungen. Gerade dann, wenn dein Baby viel schreit, fällt es dir vielleicht schwer, selbst auf Dauer ruhig zu bleiben. Dein Baby wird deine Unruhe jedoch spüren. Achte darauf, dass du in den Zeiten, wo dein Baby nicht weint, die Möglichkeit nutzt, selbst zur Ruhe zu kommen. Gönn dir kleine Auszeiten. Nimm ruhig Hilfe in Anspruch. Sprich die Großeltern, Tanten oder Onkel oder enge Freude an. Erkläre kurz, warum du einen Moment Zeit für dich brauchst. Jeder wird dich verstehen.

In Schreiphasen kann es hilfreich sein, wenn du dir die Betreuung mit deinem Partner teilst. Oft reichen schon ein paar Minuten aus, um wieder Kraft zu tanken und sich ganz auf die Bedürfnisse des Kindes konzentrieren zu können. Wenn es jedoch ganz schlimm ist, dann meld dich am besten bei einer Schreiambulanz – bevor du am Ende deiner Kräfte bist. Dort wird dir meist kostenfrei weitergeholfen.

Jedes Baby ist anders, daher ist es besonders wichtig, dass du die Beruhigungstechniken auf dein Baby zuschneidest. Du kennst deinen Nachwuchs besonders gut und weißt, ob er beim Weinen Nähe oder doch lieber Abstand benötigt. Probier nicht alle Techniken auf einmal, sondern geh langsam und mit Geduld vor.

Hast du weitere Tipps, wenn das Baby schreit? Dann schreib uns einen Kommentar!

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