Mein Baby schläft nicht – 7 Gründe und was du tun kannst

Säuglinge brauchen viel Ruhe. Während sie schlafen, wachsen sie, entwickelt sich das Gehirn, werden all die neuen Eindrücke sortiert und verarbeitet. Wie heißt es so schön? „Schlafen wie ein Baby“ … von wegen!

Dein Baby schläft nicht so, wie die Babys der anderen? Es findet nicht in den Schlaf, wacht ständig auf oder macht die Nacht zum Tag? Keine Sorge, du bist nicht allein. Die meisten Eltern haben zu Anfang diese Probleme, auch wenn es nicht alle zugeben. Zwar schlafen die meisten Babys mit der Zeit besser, aber längst nicht alle. Und auch, wenn eine Mutter strahlend erzählt, dass ihr Baby nun endlich durchschläft, sollte man auch das genauestens hinterfragen. Denn tatsächlich gibt es etliche Definitionen dafür. Ein Baby, das tatsächlich ohne zu erwachen und ohne zu trinken 10 Stunden im Bett liegt, ist die absolute Ausnahme und sein Verhalten evolutionstechnisch gesehen eher ungewöhnlich und nicht unbedingt gesund.

Fakt ist, dass die meisten Eltern in den ersten Monaten eher wie Zombies mit dicken Augenringen unterwegs sind und gerade so funktionieren. Und auch später ist permanenter Schlafentzug meist noch ein Thema. Denn Gründe, um schlecht zu schlafen, gibt es bei Babys viele. Nachfolgend haben wir 7 solcher Gründe für dich zusammengefasst und mit Tipps versehen, wie du damit umgehen kannst.

Es gibt falsche Erwartungen an den Babyschlaf

Falls du es noch nicht wusstest, der Babyschlaf unterscheidet sich ganz gewaltig vom Erwachsenenschlaf. Das betrifft nicht nur den eigentlichen Schlafbedarf, sondern auch das Schlafverhalten, also wie oft, wie lange und vor allem wie Babys schlafen.

Während Erwachsene mit 7 bis 9 Stunden Schlaf am Tag oder besser in der Nacht auskommen, benötigen Neugeborene über 24 Stunden verteilt im Schnitt 14,5 Stunden. Dies ist allerdings nur ein Mittelwert. Denn wenn einige Babys eigentlich nur zum Trinken aufwachen und bis zu 20 Stunden schlafen, brauchen andere nur 11 Stunden. Nach etwa 6 Wochen beginnt sich ein erster Tag/Nachtrhythmus einzustellen, das heißt die längsten Schlafphasen verlagern sich nach und nach Richtung Nacht.

Während eines Schläfchens durchläuft ein Baby eine oder mehrere Schlafzyklen. Ein Zyklus dauert zu Anfang lediglich etwa 20 bis 30 Minuten. Die Länge der Zyklen nimmt im Laufe der Monate und Jahre immer weiter zu. Der Schlafzyklus eines Erwachsenen dauert dann etwa 1,5 bis 2 Stunden.

Außer bei der Dauer der Schlafzyklen gibt es noch zwei weitere grundlegende Unterschiede zu Erwachsenen: Die Menge und den Zeitpunkt des REM-Schlafs (Rapid Eye Movement, auch Traumschlaf genannt), bei der das Gehirn noch wach ist und Erlebtes verarbeitet. Ein Erwachsener verbringt während des Schlafens deutlich weniger Zeit im REM-Schlaf als ein Baby. Außerdem sinkt er nach dem Einschlafen ziemlich schnell in den erholsamen Tiefschlaf, an den sich dann der REM-Schlaf anschließt. Der Schlafzyklus eines Babys besteht aus einer relativ langen aktiven REM-Phase, die etwa 20 Minuten dauert, dem Übergangsschlaf und dem ruhigen Tiefschlaf. Danach folgt erneut eine kurze Phase des leichten Übergangsschlafs, der die nächste Schlafphase oder das Erwachen einleitet. Nur während des REM-Schlafes entwickelt sich das Gehirn. Es ist also ganz logisch, dass Babys mehr davon benötigen als wir. Unser Gehirn muss zwar auch verarbeiten, wächst aber nicht mehr.

Die Schlafphasen beim Baby

Wie helfen uns diese Erkenntnisse nun dabei, unser Baby besser zu verstehen?
Zuerst einmal ist es gut zu wissen, dass Babys ganz unterschiedliche Schlafbedürfnisse haben. Nur weil mein Kind viel weniger schläft als das der Freundin, ist es deswegen noch lange nicht unnormal. Ganz im Gegenteil, richtige Murmeltiere sind auch eher selten.

Kennt man die durchschnittliche Dauer eines Schlafzyklus und die große Menge an leichtem Schlaf, erschließt sich, warum Babys so häufig aufwachen. Letztlich ist das häufige Erwachen, welches oft nur unvollständig, also im Halbschlaf geschieht, ein geschickter Schachzug der Natur. Denn nur so kann das Baby kontrollieren, ob ihm etwas fehlt, es zum Beispiel Hunger hat, oder ob irgendetwas in seiner Umgebung nicht stimmt. Dann wird es richtig wach und tut seinen Unmut durch Schreien kund.

Die einzelnen Schlafphasen zu verstehen, hilft uns dabei, richtig zu handeln, wenn das Kind ins Bett gebracht wird. Lediglich im Tiefschlaf ist das Baby kaum zu wecken. In den anderen Phasen erwacht es leicht, wenn es zum Beispiel durch ungewöhnliche Geräusche oder helles Licht gestört wird. Legt man es also nach dem Einschlafen im Arm zu früh oder zu spät in sein Bettchen, kann es das bemerken und protestieren. Wartet man hingegen den Tiefschlaf ab, lässt sich das Kind ohne Probleme ablegen.

Nachts reihen sich die Schlafzyklen im Idealfall nahtlos aneinander. Jedoch ist der Anteil des Tiefschlafs in den ersten Schlafstunden bis etwa 24 Uhr am höchsten. Danach verbringen Babys die meiste Zeit im Leichtschlaf und werden nach einer erneuten kurzen Tiefschlafphase am Morgen immer unruhiger, bis sie schließlich erwachen.

Übrigens werden die meisten Babys noch mindestens einmal nachts wach, um zu trinken. Stillkinder erwachen dabei häufiger als Flaschenkinder, da die Muttermilch leichter verdaulich ist und nicht so lange vorhält. Das ist bis zum Alter von etwa einem Jahr völlig normal und gut für die Gehirnentwicklung. Mit etwa 6-12 Monaten sind die meisten (nicht alle!) Kinder körperlich dazu in der Lage, ohne nächtliche Nahrungsaufnahme auszukommen, allerdings betrifft das keinen Zeitraum von 12 Stunden, sondern eher 6 Stunden am Stück.

Tagsüber nimmt die Zahl der Schläfchen mit den Monaten und Jahren immer weiter ab. Während ein Neugeborenes noch etwa 4-6 Mal am Tag schläft, kommt ein 6 Monate altes Kind bereits mit nur 2-3 Schläfchen aus. Mit etwa 13 Monaten machen die meisten Kleinkinder nur noch einen Mittagsschlaf, was dann mit durchschnittlich 3 Jahren oft, aber nicht immer, gänzlich eingestellt wird. Die Dauer der jeweiligen Tagschläfchen richtet sich nach dem individuellen Schlafbedarf des einzelnen Kindes und kann ebenfalls stark variieren.

Anzahl der Tagschläfchen beim Baby
Anzahl der Tagschläfchen beim Baby

Das Nähebedürfnis des Babys wird unterschätzt

Beim ersten Kind sind viele Eltern unsicher. Soll ich mein Kind beim kleinsten Mucks hochnehmen? Verwöhne ich es zu sehr? Schreit es etwa, weil es weiß, dass ich sofort reagiere? Bin ich eine Glucke?

Lass dich nicht verunsichern und hinterfrag Ratschläge, die deinem eigenen Gefühl widersprechen genau. Viele der ungefragten Experten beziehen deine Erkenntnisse aus Zeiten, in denen nicht auf das Wohl des Kindes geachtet und den Müttern zu sehr fragwürdigen Methoden geraten wurde. Die Wissenschaft ist mittlerweile weiter. Du musst dein Baby nicht schreien lassen, um es abzuhärten. Genau genommen solltest du dies auch nicht, wenn du keine späteren Bindungsprobleme riskieren willst. Du musst es nicht ablegen, wenn es deine Nähe braucht. Trag es ruhig, so oft es das möchte. Du musst dein Baby auch nicht 4 Stunden lang Hunger leiden lassen, nur weil einige Leute der Meinung sind, dass ein Baby nach einem festen Fahrplan gefüttert werden sollte. Ein Kind weiß ziemlich genau, was ihm wann fehlt und teilt uns dies unter anderem durch Schreien mit. Wenn du von Anfang an auf seine Bedürfnisse eingehst, wirst du schnell lernen, die Feinheiten zu unterscheiden. Du wirst dann instinktiv wissen, ob es gerade Hunger hat oder nur deine Nähe braucht, ob ihm etwas fehlt oder es einfach nur müde ist. Gerade am Anfang ist es besser, wenn sich Eltern nach dem Kind richten und nicht andersherum. Ein Baby ist kein Soldat, der funktionieren muss.

Nimm deshalb bitte auch Schlaflernprogramme nicht allzu ernst. Diese Programme zielen darauf ab, den Kindern „richtiges“ Schlafverhalten beizubringen und gegen den eigenen Instinkt zu handeln, indem das Baby in immer größer werdenden Abständen beim Einschlafen allein gelassen wird, auch und gerade, wenn es schreit. Damit soll verhindert werden, dass es auch nachts unsere Hilfe zum Einschlafen benötigt. Auch wenn es Babys gibt, bei denen solche Programme funktionieren, heißt das nicht, dass wir unserem Baby damit etwas Gutes tun. Kritiker der kontrovers diskutierten Methoden sehen vor allem die Auswirkungen auf die Gefühlswelt des Babys kritisch. Es lernt nicht besser einzuschlafen, sondern seine Gefühle nicht mehr zu äußern, weil ihm sowieso niemand hilft. Das Baby gibt sozusagen auf. Das kann nicht der richtige Weg sein.

Wenn dein Baby dich noch zum Einschlafen braucht, sei es durch Stillen oder Kuscheln, lass es ruhig. Es wird dir zeigen, wann es so weit ist, allein einzuschlafen. Manche Kinder schaffen dies schon sehr früh, andere brauchen mehrere Jahre, weil sie es einfach noch nicht allein können. Auch wenn es unpraktisch ist, weil du dann weniger Zeit für dich hast, es lohnt sich auf lange Sicht gerade bei unruhigen Babys und gibt ihnen die nötige Sicherheit, um zu selbstbewussten Kindern heranwachsen zu können. In solchen Fällen ist das gemeinsame Elternbett oftmals der rettende Weg, damit alle wieder besser schlafen können.

Der Alltag ist zu chaotisch

Wenn Kinder nicht zur Ruhe kommen, kann es daran liegen, dass ihr Alltag nicht kindgerecht genug ist. Babys sind schnell von zu vielen Eindrücken überfordert. Gut, wenn ein Baby dann in der Lage ist, einfach die Augen zuzumachen und einzuschlafen. Einige können dies aber nicht und überreizen immer mehr. Übermüdungsanzeichen sind manchmal trügerisch. Überreizte Kinder drehen auf, werden quenglig und unruhig. Wenn dein Kind nicht einfach schläft, wenn es könnte, musst du etwas an deinem Alltag ändern, denn das Baby wird sich so schnell nicht anpassen können.

Reduziere also Unternehmungen soweit, wie es dein Kind nicht überfordert. Versuch, Ruhe in dein Leben zu bringen, indem du einen Rhythmus etablierst. Zum Beispiel kannst du bestimmte Aktivitäten wie spazieren gehen, eine Krabbelgruppe besuchen oder Freunde treffen immer in einem bestimmten Zeitraum stattfinden lassen. Leg deine Termine dabei besser nie auf den späten Nachmittag oder gar Abend, sonst findet dein Kind am Abend nicht in den Schlaf. Verkriechen sollst du dich natürlich auch nicht. Ein gewisses Maß an Stimulation durch Außenreize tut auch deinem Kind gut, wenn es älter wird. Es gilt dennoch das richtige Maß zu finden, damit alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen. Denk immer daran, dein Baby kann sich noch nicht so leicht anpassen wie du. Viele Babys brauchen die tägliche Portion frische Luft, sonst werden sie gen Abend ungenießbar. Der tägliche Spaziergang kann fester Teil des Tagesablaufs werden, später ist es dann der Spielplatz- oder Zoobesuch. Frische Luft macht wunderbar müde und stärkt das Immunsystem.

Auch zuhause kann es passieren, dass deinem Baby einfach zu viel Leben in der Bude ist. Selbst wenn du viel Action brauchst, kann dein Baby ganz anders ticken. Vielleicht fliegt in der Wohnung alles durcheinander und das Kinderzimmer ist quietschbunt eingerichtet. Das kann schnell zu viel werden. Wenn du den Eindruck hast, dass dein Baby mehr Ruhe braucht, als es bekommt, reduzier alles, das geht, auf ein Mindestmaß. Gedeckte Farben sind besser als knallige, wenig Spielzeug ist besser als zu viel. Der Fernseher sollte ausgeschaltet bleiben und das Radio ebenso. Ein wenig Ordnung bringt Ruhe in den Alltag und auch die Zeit für Besuche kann eingeschränkt werden. Mit der Zeit wird es deinem Baby gelingen, Eindrücke besser zu verarbeiten, aber manche Kinder brauchen dazu länger als andere. Abhärten kann man solche Babys nicht. Besser ist es, sich auf sie einzustellen.

Am Abend haben sich feste Rituale bewährt. Wenn das Abendprogramm immer nach dem gleichen Schema abläuft, lernt dein Kind, zum Beispiel das tägliche Bad oder das Vorlesen mit dem Schlafengehen zu verknüpfen, und wird schneller müde, als wenn es aus dem lebhaften Spiel heraus direkt ins Bett gebracht werden soll. Auch Stillen und Kuscheln kann Teil dieses Rituals sein. Überleg dir am besten einen sinnvollen Ablauf, den du auch durchhalten kannst. Wenn Papa übernimmt, darf das Ritual durchaus anders aussehen, sollte aber auch bei ihm immer gleich ablaufen.

Der Rhythmus passt nicht zum Baby

Dein Baby schläft nicht so, wie du dir das vorstellst? Dann braucht es vielleicht einen anderen Rhythmus. Wenn es zum Beispiel weit vor dem Wecker wach wird, abends nicht zur Ruhe kommt oder in der Nacht stundenlang wach ist, ist sein Schlafbedarf eventuell geringer, als du denkst. Auch wenn einige Babys tatsächlich 17-20 Stunden am Tag schlafen, brauchen andere unter Umständen weit weniger. Dies kann lediglich eine Phase sein, zum Beispiel während eines Entwicklungssprunges, oder aber dein Baby benötigt generell weniger Schlaf als andere. Zum Schlafen zwingen kann man es nicht.

Schreib dir etwa zwei Wochen lang die genauen Schlafzeiten tagsüber und in der Nacht auf und erfass auch, wie lange das Kind zum Einschlafen gebraucht hat und wann es wach im Bett lag. So ermittelst du über einen aussagekräftigen Zeitraum den genauen Schlafbedarf und kannst den Rhythmus entsprechend anpassen. Manchmal hilft es schon, das Baby abends später ins Bett zu bringen oder den Tagschlaf zu kürzen. Im Laufe der Monate wird sich der Schlafbedarf schubweise verringern. Dann ist es gut, sich den neuen Umständen so schnell wie möglich anzupassen.

Schlafbedarf bei Babys
Schlafbedarf bei Babys über Monate hinweg

Wenn dein Baby generell eher spät einschläft und dafür morgens nicht aus dem Bett zu bekommen ist, tickt seine innere Uhr vielleicht anders als deine eigene. Auch bei Babys gibt es die Nachteulen und die Frühaufsteher. Es ist zwar möglich, dass auch diese Kinder sich an einen anderen Rhythmus gewöhnen, aber die Tendenz bleibt auch im Erwachsenenalter noch bestehen. Richtig fit wird eine Eule morgens nie sein. Und ein Frühaufsteher wird schon recht früh am Abend quenglig werden. Dagegen lässt sich wenig machen. Manchmal bringt allerdings eine leichte Rhythmusverschiebung von einer halben bis einer Stunde schon eine Verbesserung. Auch wenn es paradox klingt, eine halbe Stunde früher im Bett, kann unter Umständen morgens bis zu anderthalb Stunden mehr Schlaf bedeuten. Probier es einfach aus.

Die Schlafumgebung passt nicht

Wenn dein Kind zu den unruhigen Schläfern gehört, lohnt es sich in jedem Fall, auch die Einschlafumgebung genauestens unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht ist das Kinderbett unbequem oder steht an einem schlechten Platz. Achte auf eine gute Matratze und stell das Bett so, dass das Kopfteil geschützt steht. Der Raum sollte stets gut abgedunkelt und gut gelüftet sein. Auch die als angenehm empfundene Schlaftemperatur spielt eine wichtige Rolle. Nachts sinkt die Körpertemperatur leicht ab. Wenn das Zimmer zu warm ist, stört das beim Ein- und Durchschlafen.
Vielleicht fühlt sich dein Kind aber auch durch die Kleidung, die es am Körper trägt, gestört. Achte darauf, dass dein Baby der Temperatur entsprechend gekleidet ist. Die Unterschiede beim Temperaturempfinden sind auch schon bei Kindern enorm. Kratzige Etiketten, unangenehme oder raschelnde Stoffe können ebenfalls zu unruhigem Schlaf führen. Überprüf auch, ob es zu viele Ablenkungen in Form von Displays, Mobiles, Spielzeug oder Bildern gibt und entferne diese wenn möglich.

Vielleicht benötigt dein Kind aber auch einfach mehr Nähe, als du denkst. Auch wenn die Empfehlung lautet, Babys im eigenen Bett im Schlafzimmer der Eltern schlafen zu lassen, ist das Elternbett beim Beachten aller Vorsichtsmaßnahmen vielleicht doch die bessere Wahl. Manche Babys sind erst sehr spät bereit, allein zu liegen, und kommen selbst im Beistellbett nicht zur Ruhe. Andere wiederum schlafen am besten im eigenen Zimmer, weil sie sonst jedes Mal aufwachen, wenn die Eltern sich im Schlaf drehen, Papa schnarcht oder Mama hustet. Du musst herausfinden, was am besten zu deinem Baby passt, völlig unabhängig davon, was deine Umwelt darüber denkt. Wenn du merkst, dass dein Baby deine Nähe benötigt, dann sei für es da. Wenn du es in den Schlaf stillen willst, tu das. Wenn es nur auf deinem Arm einschlafen kann, dann ist das auch okay. Irgendwann wird sich alles finden und dein Kind lernen, auch ohne deine Hilfe ein- oder durchzuschlafen.

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Es herrscht gerade irgendein Ausnahmezustand

Einige Ärzte sind der Meinung, dass das Zahnen als Ursache für Schlafprobleme überschätzt wird. Diese Annahme teilen wir nicht oder sehen sie zumindest etwas differenzierter. Es gibt diese Babys, die es scheinbar völlig kalt lässt, wenn sich ein Zähnchen nach dem anderen durch den Kiefer nach draußen arbeitet. Solche Kinder nehmen ohnehin viele Dinge gelassener als andere und haben dann auch keine Schlafprobleme. Und dann gibt es Babys, die erleben jede Phase des Zahnens vom Einschuss in den Kiefer bis zum Durchbruch durch das Zahnfleisch besonders intensiv und das bei jedem der 20 Zähne. Da die ersten Zähne schon mit etwa 3 Monaten beginnen, im Kiefer zu wachsen, können entsprechende Probleme also schon sehr früh auftreten, auch wenn sich die ersten Zähne oft erst mit 8 Monaten zeigen. Meist verläuft das Zahnwachstum schubweise. Ein paar Tage lang drückt und juckt es, dann ist wieder eine Weile Ruhe. Wenn sich das Zahnfleisch hingegen durch die ständige Hand im Mund entzündet, kann das Baby durchaus mit tagelangem Fieber und Durchfall reagieren. Fakt ist, dass die meisten Probleme im Liegen verstärkt werden, weil dann der Kopf besonders gut durchblutet wird. Jeder, der schon einmal selbst Zahnschmerzen hatte, kennt das.

In einem solchen Fall kann es helfen, die Matratze ab Babys Brusthöhe mit einem Keilkissen zu erhöhen oder das Baby im Arm schlafen zu lassen. Auch Globulis haben sich bewährt. Ob du Schmerz- oder lokale Betäubungsmittel einsetzen kannst, solltest du mit deinem Kinderarzt besprechen. Von einem vorschnellen und übertriebenen Umgang mit Medikamenten ist allerdings immer abzuraten. Und gerade die beliebten Betäubungsgele sind erst für Kinder ab 2 Jahren zugelassen. Wäg daher besser immer genau ab, was wirklich nötig ist.

  • Wenn Babys und Kleinkinder krank sind, mutieren selbst die selbständigsten von ihnen oft wieder zu kleinen Kletten. Das ist mehr als verständlich. So können in Babys Welt nur die Eltern dafür sorgen, dass ihm nichts passiert. Eine akute Erkrankung wird von Babys immer als Bedrohung empfunden. Wenn dein Baby also plötzlich nur noch in deinem Arm liegen möchte und verzweifelt schreit, wenn es sich allein im Bettchen vorfindet, könnte sich durchaus ein Infekt anbahnen. Bei Fieber zeigen sich Unterschiede im Temperament besonders deutlich. Einige Babys verschlafen Krankheiten regelrecht, andere werden bei Fieber erst recht unruhig und sind kaum zu bändigen. Erst wenn sie hohes Fieber haben, werden sie ruhiger und „pumpen“ dann regelrecht. Nach Impfungen zeigen sich ähnliche Symptome wie bei einer Krankheit. Gib dem Nähebedürfnis deines Schatzes ruhig nach. Wenn es sich beschützt fühlt, wird es schneller gesund.
  • Alle Monate wieder steht ein neuer Entwicklungssprung ins Haus. Dabei wird das Gehirn neu verdrahtet und das Baby kann auf einmal etliche neue Dinge. Einige Babys merken davon wenig, bei anderen steht die ganze Welt kopf. Das Temperament und die Neugier des Babys machen dabei den Unterschied. Verschiedene Sprünge wirken sich oft unterschiedlich stark aus. Meist dauern Entwicklungssprünge 4 – 6 Wochen. Der Schlaf ist oft während 1 – 2 Wochen, im schlimmsten Fall während der gesamten Zeit beeinträchtigt. Babys schlafen schlechter ein, werden öfter wach, wollen nachts plötzlich spielen oder wachen besonders früh auf. Die Bandbreite ist groß. Sämtliche Erziehungsmaßnahmen schlagen während dieser Zeit fehl. Besser ist es, den Kleinen besonders viel Nähe zu geben, bis das Ganze durchgestanden ist.
  • Neben den Entwicklungssprüngen, also den Wachstumsschüben des Gehirns, wächst auch der restliche Körper des Babys schubweise. Diese Phasen können, aber müssen sich nicht überschneiden. Empfindliche Kinder reagieren auch hier mit schlechtem Schlaf. Denn wenn die Knochen kribbeln oder schmerzen, ist das auch sehr unangenehm. Meist dauert ein Wachstumsschub nur wenige Tage und kündigt sich durch ein vermehrtes Hungergefühl an. Wenn dein Kind also nachts auf einmal ständig trinken will, kann es schon am nächsten Morgen durchaus ein paar Zentimeter größer geworden sein. Gib ihm ruhig die Nahrung, die es braucht.
  • Wenn ein Baby größere Umbrüche erlebt, kann sich auch dies in unruhigem Schlaf äußern. Dazu gehören zum Beispiel ein Umzug, ein größerer Urlaub, der Beginn der Eingewöhnung in der Kita oder die Trennung der Eltern. All das verunsichert schon kleine Babys. Gib deinem Schatz viel Nähe und versuch, nicht allzu viel auf einmal zu verändern. Sobald sich das Kind an die neuen Umstände gewöhnt hat, geht auch diese Phase vorbei.

Manifeste organische Ursachen liegen vor

Wenn du alles probiert hast, um die Umgebung und den Alltag des Babys so zu gestalten, dass es friedlich schlafen kann, es aber dennoch häufig erwacht, kann das durchaus an unerkannten Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder gar Allergien liegen. Wälzt sich dein Baby viel herum, hat es vielleicht oft Blähungen oder Durchfall? Die Unruhe im Darm führt auch zu nächtlicher Unruhe. Selbst wenn dein Baby keine Schmerzen hat, sind ständige Reizungen des Magen-Darm-Traktes ebenso unangenehm. Babys können auf vieles reagieren: Kuhmilch, Weizen, Gluten generell, Zucker und Hühnereiweiß sind ganz vorn mit dabei. Dumm nur, dass genau diese Lebensmittel in den meisten Babyprodukten zu finden sind. Aber auch andere Nahrungsmittel können nicht vertragen werden. Auch wenn Mama stillt, können Nahrungsbestandteile in der Muttermilch zu unerwünschten Reaktionen beim Baby führen. Selbst wenn die Mutter unter einer unerkannten Unverträglichkeit leidet und ihren Darm mit entsprechenden Nahrungsmitteln belastet, kann das Baby dies zu spüren bekommen. Lass bei Verdacht dich und das Baby beim Arzt testen. Manchmal reicht schon eine Stuhlprobe aus, je nach Verdacht kann jedoch auch eine Blutabnahme nötig sein. Es ist dennoch sinnvoll, das Problem anzugehen, denn ein ständig gereizter Darm kann auf lange Sicht das Immunsystem schwächen oder sogar zu Autoimmunkrankheiten führen.

Bei einigen Babys, die viel schreien, kann eine Wirbel- oder Gelenkblockade bestehen (siehe auch KiSS-Syndrom). Durch Fehllagen im Mutterleib oder schwere Geburten, zum Beispiel mit Saugglocke oder Zange, kann es zu Verschiebungen in der Wirbelsäule kommen. Dieses äußerst sich oft durch anhaltendes schrilles Schreien, eine verkrampfte Haltung oder eingeschränkte Motorik. Nichts kann das Kind beruhigen. Wenn dein Baby Probleme dieser Art hat, zögere nicht, einen guten! Osteopathen oder Arzt aufzusuchen und hol dir noch eine Zweit- oder Drittmeinung ein, wenn du dich nicht ernst genommen fühlst. Sollte eine solche Blockade bestehen, kann sie ein auf Kinder spezialisierter Osteopath oft in wenigen Sitzungen lösen. Hör auf dein Gefühl! Bleibt ein solcher Zustand unbehandelt, kann dieser zum Beispiel zu Verformungen des Schädels führen, die sich später nur mit einem Helm beheben oder mildern lassen. Im schlimmsten Fall hat das Kind lebenslang Probleme.

In einigen Fällen können große Schlafprobleme auf eine Regulationsstörung zurückzuführen sein, die meist durch eine verzögerte Reifung des zentralen Nervensystems bedingt ist. Warum dies eintritt, ist noch nicht ausreichend belegt. Oft werden schwere Geburten oder vorgeburtlicher Stress als Ursache genannt, sicher ist das aber nicht. Fakt ist, dass solche Babys zu den eher „schwierigeren“ zählen und ein sehr hohes Maß an Zuwendung und Aufmerksamkeit benötigen. Sie sind extrem unruhig, nehmen sehr sensibel ihre Umwelt wahr und können sich kaum selbst beruhigen. Die meisten Kinder, die später ADHS entwickeln, haben vorher Probleme dieser Art. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass bei jedem unruhigen Baby später ADHS diagnostiziert wird. So oder so lässt sich im Babyalter nicht allzu viel daran ändern. Mit viel Liebe, Verständnis, Ruhe und einem geregelten Alltag kannst du ein wenig dagegen steuern. Auch wenn der Wesenszug bestehen bleibt, verwachsen sich die meisten Probleme mit der Zeit. Es dauert nur meist Jahre länger als bei anderen Kindern.

Weitere Ratgeber zum Thema Babyschlaf

Hast du Ergänzungen zum Thema „Mein Baby schläft nicht“? Dann schreib uns einen Kommentar!

Unser Tipp, wenn dein Baby schlecht schläft

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