Alleiniges Sorgerecht: Das musst du wissen

Im Prinzip trifft das Elternteil mit dem alleinigen Sorgerecht alle Entscheidungen rund um das Kindeswohl ohne die Zustimmung des anderen Elternteils. Wobei dieses Recht das Vorenthalten des Kindes nicht einschließt. Zudem hat das Sorgerecht keinen Einfluss auf die Höhe der Zahlungen für den Kindesunterhalt. Im Gegensatz zum gemeinsamen Sorgerecht muss das alleinige Sorgerecht zumeist beantragt werden. Im folgenden Ratgeber erfährst du alles, was du über die Beantragung, die Genehmigung und die Regeln wissen musst.

Was ist das alleinige Sorgerecht?

In Deutschland sieht der Gesetzgeber das gemeinsame Sorgerecht immer noch als das bevorzugte Familienmodell. Denn hier handeln zwei Bezugspersonen im Sinne des Kindeswohls. Sie einigen sich über gemeinsame Entscheidungen. Per se wird nach der Heirat diese Sorge auf beide Eltern automatisch übertragen, wenn sie ein Kind bekommen. Sind die Eltern nicht verheiratet, erhält die Mutter zunächst das alleinige Sorgerecht.

Tatsächlich war es vor einigen Jahren noch recht aufwändig, das gemeinsame Sorgerecht im Nachhinein zu beantragen. Im Zuge der letzten Jahre hat man dieses Verfahren entscheidend vereinfacht, um dem alleinigen Sorgerecht weniger Raum zu lassen.

Wege zum alleinigen Sorgerecht

Die Praxis geht von zwei Formen aus, die das alleinige Sorgerecht nach sich führen:

  • Ein Elternteil verstirbt. Folglich wird das alleinige Sorgerecht automatisch auf das lebende Elternteil übertragen.
  • Das Familiengericht überträgt das alleinige Sorgerecht auf einen Elternteil oder entzieht es dem andern Elternteil.

Gerade der zweite Punkt führt in der Praxis oftmals zu heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen, vor allem wenn sich die Ehepartner nicht mehr Grün sind.

Wie das alleinige Sorgerecht beantragen?

Im Grunde genommen entscheidet das Kindeswohl. Infolgedessen werden Familiengerichte erst dann tätig, wenn sie dieses Kindeswohl gefährdet sehen. Eine Vermutung, einer der Sorgeberechtigten hätte einen schlechten Einfluss auf das Kind, muss durch Beweise belegt werden. Aus heiterem Himmel kann es nicht zu einem Entzug kommen.

Auch wenn es viele vermuten, ist die Scheidung allein kein Grund, das alleinige Sorgerecht zu beantragen. Ergebnisse des statistischen Bundesamts kamen auf knapp 8% aller geschiedenen Eltern, die sich auf das alleinige Sorgerecht geeinigt haben.

Einigung der Eltern – reibungslose Übertragung des Sorgerechts

Konflikte und Meinungsverschiedenheiten sollen niemals auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Der beste Weg ist die Einigung, wie man das gemeinsame Zusammenleben fortführen kann – zum Wohle der Kinder.

Hinweis: Um den gegenseitigen Frieden zu wahren, können grundlegende Absprachen über die Ausübung in der Sorgerechtsvereinbarung schriftlich fixiert werden. Infolgedessen haben beide Elternteile etwas in der Hand.

Wenn das Sorgerecht einem Elternteil nicht entzogen wird, muss das alleinige Sorgerecht zumindest beantragt werden. Sind sich beide Elternteile einig, reicht der formlose Antrag beim jeweils zuständigen Familiengericht, der unter Zustimmung beider abgegeben wird.

Achtung: Selbst bei dem alleinigen Sorgerecht bleibt das Umgangsrecht für den Nicht-Sorgeberechtigten bestehen! Darüber hinaus ist ein Elternteil verpflichtet, den anderen über entscheidende Ereignisse im Leben des Kindes zu informieren. Wer das alleinige Sorgerecht abgibt, riskiert also keinesfalls, den Zugang und Kontakt zum Kind zu verlieren!

Streit der Elternteile – Gerichtsverhandlung

Sieht der Sachverhalt anders aus und weigert sich einer der Eltern, eine Begründung oder Rechtfertigung abzugeben? Dann gehören Belege und Beweise dazu, das Vorhaben durchzusetzen. Gegebenenfalls geht es dann vor das Familiengericht. Darüber hinaus muss der Antragsteller detailliert ausführen, warum der Ex-Partner nicht zugleich ein Sorgeberechtigter ist. Obendrein können diese Anträge auch vonseiten des Jugendamts erstellt werden.

Dabei ist davon auszugehen, dass das Familiengericht erst im Ernstfall das Sorgerecht entzieht. Dies ist immer dann der Fall, wenn das Gericht das Kindeswohl gefährdet sieht. Zu den milderen Entscheidungen gehören zum Beispiel die Übertragung vom Aufenthaltsbestimmungsrecht, das fortan nur einer der Partner zugesprochen bekommt. Dieser Teil der Personensorge entscheidet über den Wohnsitz, der zukünftig auch der gewöhnliche Aufenthaltsort des Kindes ist.

Kinder dürfen sich in einem Verfahren ebenso äußern. Zumeist handelt es sich um eine Stellungnahme beim Jugendamt. Aus diesem Grund sollten Eltern mit den Sachbearbeitern des Jugendamts kooperieren.

Welche Voraussetzungen bedingen das alleinige Sorgerecht?

Für eine Übertragung des alleinigen Sorgerechts ziehen die Richter bestimmte Kriterien zurate:

  • Kontinuität: Wie steht es um die Sicherheit und die Dauer der Beziehung zu den Kindern? Schlussendlich bildet eine stabile Erziehung eine Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung. Dabei ist es nicht unerheblich, zu welchem Elternteil die Kinder eine stärkere Verbindung entwickeln. Haben sich beide Elternteile scheiden lassen, ist es nicht unwesentlich, wo das Kind in der Trennungszeit gelebt hat.
  • Soziale Bindungen: Kinder sollen, wenn möglich, nicht vom gewohnten sozialen Umfeld getrennt leben. Dazu gehören Familie, Bekannte und Verwandte ebenso wie Freunde, Schule, Kindergarten und Geschwister.
  • Förderung: Hier geht es um die materielle Absicherung, um dem Kind eine Grundlage für die Entwicklung über die Bildung und über die finanziellen Voraussetzungen zu geben.

Wenn Kinder das 14. Lebensjahr vollendet haben, ist es sogar eine Pflicht, sie anzuhören. Bei jüngeren Kindern ist von Einzelfallentscheidungen auszugehen.

Ein Gerücht: Kinder dürfen nicht ab dem 14. Lebensjahr selbst bestimmen, wo sie leben. Diese Entscheidungen sind an das Kindeswohl und nicht an den Kinderwunsch gebunden. Erst mit Vollendung des 18. Lebensjahrs entscheiden die Kinder, wo sie fortan leben.

Warum Eltern alleiniges Sorgerecht beantragen?

Wir sind uns darüber im Klaren, die Gründe für das alleinige Sorgerecht können vielseitig ausfallen und sind unmittelbar mit den individuellen Lebensbedingungen und der Beziehung zwischen den Eltern verbunden. Dennoch wiederholen sich die folgenden Ursachen, die zu einer Beantragung des Sorgerechts führen, wie zum Beispiel:

  • Fehler in der Erziehung: Hierbei handelt es sich um schwerwiegende Fehler im Hinblick auf beispielsweise eine staatsfeindliche Erziehung, wie zu hohe und zu niedrige Anforderungen im schulischen Bereich.
  • Gefährdung vom Kindervermögen: Kommt es zur Veruntreuung von Spareinlagen, die in Besitz der Kinder sind, kann das Sorgerecht entzogen werden.
  • Missbrauch: Besteht der Verdacht von Gewalt und Missbrauch in Familien, schalten sich die Jugendämter zügig ein.
  • Gefährdung für Gesundheit: Eltern sollten den Kindern niemals den Zugang zur Gesundheitsvorsorge verwehren.
  • Vernachlässigung: Ernährung, Pflege und Kleidung lassen sich diesem Bereich zuordnen.
  • Gefährdung durch Dritte: Eltern sollten niemals gemeinsam mit den Kindern in einem potentiell gefährlichen Umfeld leben.
  • Schulische Pflicht: Weigert sich ein Elternteil, ein minderjähriges Kind in die Schule zu schicken, wird damit das Sorgerecht aufs Spiel gesetzt.

Wie ich mich gegen den Entzug des Sorgerechts wehren kann?

Droht ein Familiengericht, dir das Sorgerecht für dein Kind zu entziehen, solltest du dich detailliert auf die Verhandlungen und Befragungen vorbereiten. Schließlich bist du jetzt an der Reihe und musst das Gericht überzeugen, dass von dir keine Gefährdung ausgeht und du die Erziehung gewissenhaft vollziehst.

In diesem Zusammenhang ist es zwingend notwendig, sich Rat bei einem erfahrenen Anwalt zu holen. Gemeinsam bereitest du die Sorgerechtsverhandlungen akribisch vor, um nicht unbewusst verhängnisvolle Fehler zu begeben, die das alleinige bzw. gemeinsame Sorgerecht gefährden.

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