5 Tipps, wie deine Selbstständigkeit während der Elternzeit gelingt

Viele werdende Mütter befinden sich schon während der Schwangerschaft in einem Zwiespalt. Auf der einen Seite gibt es das Kind, für das man nach der Geburt voll da sein möchte. Auf der anderen Seite wollen viele Schwangere ihre Karriere nicht vernachlässigen und haben Angst, nach der Elternzeit den Wiedereinstieg in die Vollzeit-Berufstätigkeit zu verpassen. Wir geben dir in diesem Artikel Tipps und interessante Informationen, wie du deine Selbstständigkeit während der Elternzeit meisterst.

Tipp 1: Alle finanziellen Mittel beantragen

Je mehr Einnahmen du hast, desto weniger musst du dazuverdienen und desto mehr Zeit hast du für dein Kind. Wenn du Nachwuchs bekommst, steht dir eine Reihe finanzieller Unterstützungen zu:

Kindergeld:

Für deine ersten beiden Kinder erhältst du jeweils 194 Euro pro Monat. Für das dritte gibt es 200 Euro monatlich und ab dem vierten bekommest du 225 Euro vom Staat.

Elterngeld:

Diese Förderung kannst du als Freiberuflerin, Selbstständige, Hausfrau, Angestellte oder Arbeitssuchende gleichermaßen beantragen. Es gelten folgende Regelungen:

  • Diese Unterstützung kannst du erst in Anspruch nehmen, wenn dein Nachwuchs bereits auf der Welt ist, allerdings maximal rückwirkend für drei Monate.
  • Bei Angestellten errechnet sich der Elterngeldanspruch aus dem Einkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt des Kindes. Für Selbstständige greift eine andere Regel: Es zählt das Durchschnittseinkommen deines letzten Geschäftsjahres, meist wird das vergangene Kalenderjahr genommen. Wenn dein Kind also im Oktober 2018 auf die Welt kommt, ist der Zeitraum von Januar bis Dezember 2017 relevant. Die Höhe des Elterngeldes beträgt zwischen 65 und 67 Prozent des so errechneten durchschnittlichen Monatseinkommens. Mit unserem Elterngeldrechner kannst du deinen Anspruch leicht berechnen.
  • Es gilt ein monatlicher Mindestbetrag von 300 Euro, der Höchstbetrag ist mit 1800 Euro beziffert.
  • Ab einem jährlichen Verdienst von 500.000 Euro (zusammen als Verheiratete oder 250.000 Euro als Alleinstehende) erhältst du kein Elterngeld.
  • Du darfst maximal 30 Stunden die Woche arbeiten und musst dein Kind selbst betreuen. Überschreitest du diese Stundenanzahl, entfällt dein Elterngeldanspruch.
  • Es ist zudem möglich, Elterngeld Plus zu beantragen. Damit lässt sich dein Bezugszeitraum von 14 auf 28 Monaten verdoppeln. Mit dem Partnerschaftsbonus erhältst du weitere vier Monate Elterngeld.
  • Du kannst bis zu zweimal je einen Monat aussetzen, die du an das Ende ihrer Elternzeit anhängst. Das ist sinnvoll, wenn große Forderungen an Kunden offen sind. Denn dein Einkommen wird auf das Elterngeld angerechnet; es zählt dabei der Tag des Geldeingangs.
  • Außerdem profitierst du von dem Geschwisterbonus, wenn du zusätzlich ein Kind unter drei Jahren oder zwei Kinder unter sechs Jahren betreust.
  • Es lohnt sich nicht, die Steuerklasse zu wechseln, da für die Berechnung deines Anspruchs immer die Steuerklasse IV genommen wird.

Mutterschaftsgeld:

Als freiwillig gesetzlich Versicherte kannst du diese finanzielle Unterstützung bei deiner Krankenkasse beantragen, sofern du auch Krankengeld bekommst. Zahlst du hingegen nur einen ermäßigten Beitrag, steht dir kein Mutterschaftsgeld zu. Die Höhe ist einkommensabhängig und der Anspruch gilt sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt.

Du kannst auch an deiner Krankenversicherung sparen. Allerdings hängt das u.a. davon ab, wie viel Geld du während deiner Elternzeit verdienen möchtest. Wenn dein Ehepartner gesetzlich krankenversichert ist, kann es sein, dass sich für dich eine Familienversicherung aus finanzieller Sicht rentiert. Übersteigt dein Einkommen eine gewisse Grenze, musst du dich selbst versichern. Was in deinem Fall am sinnvollsten ist, klärst du am besten rechtzeitig mit deiner Krankenkasse.

Tipp 2: Selbstständigkeit während der Elternzeit aufbauen

Es gibt viele Mütter, die während ihrer Elternzeit eine Selbstständigkeit aufbauen möchten. So können sie mehr für ihren Nachwuchs da sein als bei einer Festanstellung. Viele frisch gebackene Mamas wollen schon beruflich aktiv sein, während ihr Kind noch ein Säugling ist. Manche haben dafür vielleicht schon länger ein Projekt im Hinterkopf.

Zwar braucht ein Baby viel Aufmerksamkeit, allerdings hast du vermutlich immer mal wieder etwas Zeit, deine Selbstständigkeit aufzubauen – z.B. wenn dein Kind gerade schläft. Diese Phasen lassen sich nutzen, um sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen (z.B. Buchhaltung, Steuern, Firmenfinanzierung, etc.) oder bereits an einem Businessplan zu arbeiten. Damit du dabei keine wichtigen Punkte vergisst, kannst du dieses kostenlose Online-Tool nutzen. Mit einem gut durchdachten Businessplan ist es wahrscheinlicher, dass du von deiner Bank einen Kredit erhältst, sofern du für eine Neugründung auf Fremdkapital angewiesen bist. Außerdem brauchst du eine überzeugende Geschäftsidee. Mit dieser planerischen Vorarbeit kannst du die Beratungsangebote für Gründer nutzen, welche die Bundesagentur für Arbeit oder Ihre örtliche Handelskammer zur Verfügung stellen. Ohne einen guten Businessplan sinken hingegen deine Chancen für derartige staatliche Förderungen.

Da du während dieser Planungsphase weniger Einnahmen generierest, verringert sich dein Elterngeldanspruch auch nicht.

Tipp 3: Den Arbeitgeber um Erlaubnis fragen

Wenn du dich noch in einem Beschäftigungsverhältnis befindest und während deiner Elternzeit eine (vorübergehende) Selbstständigkeit planst, musst du deinen derzeitigen Arbeitgeber unbedingt um Erlaubnis bitten. Verweigert er diese oder äußert er sich gar nicht dazu, solltest du – um deine Stelle nicht zu gefährden – auf ein eigenes Business vorerst verzichten.

Kündigst du dein Beschäftigungsverhältnis während der Elternzeit, um eine selbstständige oder freiberufliche Tätigkeit aufzunehmen, solltest du vorab dringend klären, ob du für Sozialhilfeleistungen gesperrt wirst oder ob du Arbeitslosengeld beantragen darfst.

Beachte außerdem, dass du ggf. einen Gewerbeschein brauchst und deine freiberufliche oder selbstständige Arbeit bei deinem Finanzamt anmelden musst. Hierbei gibt es keine Unterschiede, ob du dich in Elternzeit befindest oder nicht.

Tipp 4: In Kontakt mit den Auftraggebern bleiben

Wenn du schon vor der Schwangerschaft selbstständig warst und dann einige Monate oder sogar mehr als ein Jahr keine Aufträge annimmst, kann es sein, dass sich dein Kundenstamm extrem verkleinert. Du solltest (auch während du dein Kind betreust) ab und an für deine Auftraggeber da sein, damit du danach wieder voll einsteigen kannst. Dadurch sind größere Verdienstausfälle nach der Elternzeit weniger wahrscheinlich, da du weniger Zeit in die Akquise investieren musst.

Am besten benachrichtigst du deine Kunden rechtzeitig über deine geplante Auszeit. Ratsam ist ein Vorlauf von drei bis sechs Monaten. Es ist möglich, dass du dadurch den einen oder anderen Auftraggeber verlierst. Allerdings macht es einen unzuverlässigen Eindruck, wenn du spontan keine oder nur noch sehr wenige Aufträge annimmst. Schließlich möchtest du nicht, dass durch die Elternzeit das Vertrauen, das du mühsam aufgebaut hast, verloren geht.

Tipp 5: Rücklagen bilden

Versuch in der Zeit vor deiner Elternzeit einen finanziellen Puffer anzusparen. Je nachdem wie hoch deine geschäftlichen wie auch privaten Fixkosten sind, kann es nämlich sein, dass du deutlich weniger Einnahmen generierst, aber gleichzeitig nahezu identische Ausgaben hast. Wie hoch dieses Polster sein muss, errechnest du im Rahmen eines Finanzplans. Dafür kannst du diese Vorlage für Excel nutzen. Mit dieser Kalkulation beantwortest du dir die Frage, wie lange du für dein Kind da sein kannst und ab wann du wieder voll in deinen Beruf einsteigen musst.

Unserer Einschätzung nach sind 85% der Elterngeldanträge fehlerhaft. Die Folge: Eltern bekommen weniger Geld, weil sie ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen oder warten monatelang auf die Zahlung. Wie ihr beide Probleme vermeiden könnt, erfahrt ihr in unserem Elterngeld-Onlinekurs oder in einer persönlichen Elterngeldberatung.


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