Wochenbettdepression: Seelische Erkrankung nach der Geburt

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Die Geburt eines Babys ist für die Eltern eine ganz besondere Bereicherung und zeitgleich eine große Veränderung im Leben. Positive Gefühle und unbeschreibliches Glück sind meist die Zustände, die durch frisch gebackene Mütter beschrieben werden. Doch es gibt auch noch die andere Seite. Die Postnatale oder Postpartale Depression, die unter dem Namen „Wochenbettdepression“ bekannt geworden ist, hinterlässt oft starke Spuren bei betroffenen Müttern. Nicht zuletzt auch deshalb, weil nicht darüber gesprochen und sie häufig zu spät erkannt wird.

Die Häufigkeit der Postnatalen Depression – wie oft tritt sie auf?

Auch wenn vielen frisch gebackenen Müttern gar nicht bewusst ist, dass es die Postnatale Depression (PND) gibt, so tritt sie recht häufig auf. Noch vor einigen Jahrzehnten sind Ärzte davon ausgegangen, dass rund 10% der Mütter von der Erkrankung betroffen sind. Inzwischen wird sogar vermutet, dass die Ziffer noch höher liegt. Rund jede vierte Frau leidet unter den Symptomen. Die Entstehungszeit ist dabei ganz unterschiedlich. Einige Frauen verspüren erste Anzeichen direkt nach der Geburt des Kindes. Bei anderen Betroffenen tritt sie erst innerhalb der ersten drei Lebensmonate des Babys auf. Ärzte geben an, dass innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Geburt die Entstehung von Postnatalen Depressionen möglich ist.

Die Entstehung der Wochenbettdepression – Ursachen und Gründe

Bis heute ist nicht komplett geklärt, wie die Postnatale Depression entsteht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Basis die biochemischen Prozesse sind, die im Gehirn einer Frau entstehen, wenn das Baby auf der Welt ist. Hier spielen gleich mehrere Faktoren hinein. Neben den hormonellen Veränderungen sind es gerade auch psychische Faktoren sowie die Einflüsse von außen, die eine Entstehung unterstützen können. Viele der Betroffenen haben bereits vor der Schwangerschaft Depressionen gehabt und sind daher ganz besonders empfänglich. Weitere Auslöser können eine Frühgeburt oder eine schwere Schwangerschaft sowie zu hohe Erwartungen an sich selbst sein. Einflüsse von außen sind mit ihrer Wirkung ebenfalls nicht zu unterschätzen. So gibt es viele betroffene Frauen, bei denen wenigstens einer der nachfolgenden Faktoren zutrifft:

  • Es liegt eine Trennung vom Partner vor
  • Es liegt eine Arbeitslosigkeit vor
  • Das Baby wird von der Familie nur schwer oder gar nicht akzeptiert
  • Die Frau hat selbst früh die Eltern verloren
  • Es liegen finanzielle Schwierigkeiten vor
  • Das Baby war nicht gewollt

Jeder Fall für sich ist jedoch einzigartig und es ist daher wichtig, dass die Symptome schnell erkannt werden, um mit einem Arzt ins Gespräch zu kommen und die Behandlung starten zu können.

Die Symptome der Wochenbettdepression

Die Liste der Symptome ist lang. Verspüren Sie nach der Geburt ab und an eines oder mehrere der Symptome, dann muss dies noch kein Hinweis darauf sein, dass Sie eine Postnatale Depression haben. Ein Kind zu bekommen ist ein Vorgang, der auf Körper und Seele einen starken Einfluss hat. Nach der Geburt muss sich der Körper erst wieder erholen und die Hormone wieder ins Gleichgewicht bringen. Zeigen sich einige der Symptome jedoch in Kombination miteinander und konstant, dann ist es wichtig, den Kontakt zu Arzt oder Hebamme zu suchen. Die Symptome für eine Postnatale Depression sind:

  • Betroffene fühlen sich immer schuldig
  • Ein elendes Gefühl macht sich vor allem am Morgen und am Abend im Körper breit
  • Betroffene empfinden das Leben als nicht mehr lebenswert
  • Es gibt kein Ziel und keine Freude mehr im Leben
  • Eine starke Gereiztheit liegt vor
  • Die Sorge um die eigene Gesundheit nimmt starke Ausmaße an
  • Die gesamte Situation bringt eine Überforderung mit sich
  • Es entsteht eine ständige Sorge um das Baby, die zu ständigen Arztbesuchen führen kann
  • Spaß und Humor sind im Leben nicht mehr zu finden
  • Es fällt immer schwer, sich um das Baby zu kümmern
  • Die Konzentration lässt nach
  • Das Baby fühlt sich fremd an
  • Das Gefühl, das eigene Baby nicht lieben zu können

Zudem kann es passieren, dass Sie keinen Sexualtrieb mehr verspüren. Dies ist jedoch ein Symptom, das von vielen Frauen erst einmal gar nicht bemerkt wird, da das Bedürfnis nach Sex nach der Geburt auf sich warten lässt. Auch eine starke Appetitlosigkeit oder das Gegenteil, der Bedarf nach ständigem Essen, können auf eine Postnatale Depression hindeuten.

Hinweis: Häufig ergibt sich aus diesen Symptomen eine Schlaflosigkeit, die es nicht möglich macht, zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen. Dadurch treten Gedächtnisprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten auf.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, eine Postnatale Depression zu bekommen?

Eine Frage, die viele werdende Mütter beschäftigt, ist vor allem, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, eine Postnatale Depression zu bekommen. Es gibt einige Risiken, die eine Wahrscheinlichkeit erhöhen können. Dennoch können Ärzte nicht genau nachvollziehen, warum einige Frauen betroffen sind und andere nicht. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die nachfolgenden Faktoren teilweise oder komplett bei den Frauen zugetroffen haben, die unter einer Postnatale Depression leiden oder litten. Dazu gehören:

  • Die Betroffene hat bereits vor der Schwangerschaft Depressionen.
  • Schon während der Schwangerschaft haben sich depressive Anzeichen gezeigt.
  • Die Mutter der Betroffenen starb bereits früh.
  • Es fehlt ein Partner oder Familie, die bei Schwangerschaft und Geburt unterstützt.
  • Das Baby ist zu früh auf die Welt gekommen.

Diese Faktoren gelten als besonders häufige Auslöser für eine Postnatale Depression. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sie betroffen sein müssen, wenn einer oder mehrere der Faktoren bei Ihnen zutreffen. Dennoch ist es wichtig, dass Sie mit einer vertrauten Person über mögliche Probleme sprechen und sich beraten lassen.

Der richtige Ansprechpartner bei einer Wochenbettdepression

Haben Sie das Gefühl oder die Vermutung, dass Sie unter einer Wochenbettdepression leiden könnten, ist es nicht immer leicht, sich jemandem anzuvertrauen. Wichtig ist es jedoch, schnell den Weg zum Arzt zu suchen, damit Ihnen geholfen werden kann. Ein guter Ansprechpartner in diesem Fall ist der Frauenarzt. Dieser kann die Hormone kontrollieren und eine Empfehlung für einen Besuch bei einem Psychiater aussprechen oder Sie überweisen. Auch hier werden sowohl körperliche als auch seelische Faktoren abgeklärt, bevor die Diagnose feststellt. Sind Sie noch nicht soweit, diesen Schritt zu gehen, können Sie erst mit Ihrer Hebamme sprechen und sich von ihr weitere Empfehlungen geben lassen.

Die Behandlung

Hat der Arzt die Diagnose gestellt, wird er eine auf Ihr Krankheitsbild zugeschnittene Behandlung zusammenstellen. Die Behandlungen setzen sich meist aus zwei Faktoren zusammen:

Die Gesprächstherapie

Vermutlich wird der Arzt Ihnen eine Gesprächstherapie empfehlen, damit Sie mögliche Ursachen, die ihre Grundlage in der Vergangenheit haben, in Ruhe aufarbeiten können. Diese Therapie kann in Einzel- oder in Gruppensitzungen stattfinden. Hier ist es wichtig zu schauen, womit Sie sich wohlfühlen.

Antidepressiva

Der zweite Teil der Behandlung ist die Einnahme von Antidepressiva. Stillen Sie Ihr Baby, dann wird Ihr Arzt Ihnen stillfreundliche Medikamente geben, sodass Sie nicht abstillen müssen.

Hinweis: Führen Sie die Behandlung so lange durch, wie es der Arzt vorgibt. Es kann gut sein, dass Sie sich nach der Einnahme von Antidepressiva schnell besser fühlen. Setzen Sie diese jedoch ohne das Einverständnis des Arztes ab, kann es schnell zu Rückschlägen kommen. Halten Sie sich daher genau an den Behandlungsplan.

Die Dauer der Wochenbettdepression

Leiden Sie unter einer Wochenbettdepression, dann ist es wichtig zu wissen, dass diese unbedingt behandelt werden muss. Ohne Behandlung wird es nicht möglich sein, dass die Depression verschwindet. Eine grundlegende und auf Sie zugeschnittene Therapie ist besonders wichtig für die komplette Heilung. Bleibt die Depression unbehandelt, dann kann sie sich verschlimmern.

Sind Sie in Therapie und wurden Sie mit Medikamenten eingestellt, dann wird sich bereits nach den ersten zwei Wochen eine erste Besserung zeigen. Haben Sie Geduld und lassen Sie sich Zeit. Es kann mehrere Monate und auch Jahre dauern, bis die Depression komplett ausgeheilt ist. So lange es Ihnen gut tut, sollten Sie daher unbedingt die Gesprächstherapie nutzen. Es kann sinnvoll sein, sich nach den ersten Monaten oder dem ersten Jahr mit Kind zu überlegen, eine Kur in Anspruch zu nehmen.

Die Wochenbettdepression vorbeugen – geht das?

Sie haben normalerweise nur wenig Einfluss darauf, ob Sie eine Postnatale Depression bekommen. Dennoch können Sie zur Vorbeugung einige Hinweise beachten, die möglicherweise dafür sorgen, dass es gar nicht erst zu einer Depression kommt oder sie nur in abgeschwächter Form auftritt. Dazu gehören:

1. Achten Sie auf Ihre Ernährung
Auch wenn es nach der Geburt nicht ganz so einfach ist, sollten Sie unbedingt auf Ihre Ernährung achten. Essen Sie regelmäßig und gesund. Versorgen Sie Ihren Körper mit Energie sowie mit Vitaminen. Gute Lieferanten sind Obst und Gemüse. Sie dürfen durchaus auch zu Schokolade greifen, nehmen Sie hier aber nur geringe Mengen zu sich.

2. Bleiben Sie im Wochenbett
Nicht umsonst wird die Zeit nach der Geburt als „Wochenbett“ bezeichnet. Wenn Sie die Möglichkeit haben, dann sollten Sie unbedingt viel Ruhe in Anspruch nehmen. Legen Sie sich mit dem Baby ins Bett, schlafen Sie viel und geben Sie das Baby vielleicht auch einmal ab, damit Sie allein zur Ruhe kommen können.

3. Gehen Sie spazieren
Bewegung ist gut für den Körper und hilft nicht nur dabei, ihn nach der Schwangerschaft wieder in Schwung zu bringen. Frische Luft und Sonne sind auch für die Seele echter Balsam.

4. Der Austausch mit anderen Eltern
Ebenfalls sehr wichtig ist es, nicht den Kontakt nach außen zu halten und sich mit anderen Eltern auszutauschen. Oft kann es bereits helfen jemanden zu haben, der die eigenen Probleme gut versteht und Tipps hat, um den Alltag besser ordnen zu können.

Auch wenn diese Hinweise dabei helfen können, die Postnatale Depression möglicherweise vorzubeugen oder die Stärke zu reduzieren, sollten Sie sich dennoch keine Vorwürfe machen, wenn sich die Erkrankung trotzdem zeigt.

Warum eine schnelle Behandlung so wichtig ist

Zeigen sich bei Ihnen mögliche Symptome, dann sollten Sie nicht zögern, einen Arzt aufzusuchen oder sich der Familie anzuvertrauen, um hier Unterstützung bei der Therapie zu bekommen. Dies ist nicht nur für Sie wichtig, sondern auch für Ihr Baby. Eine Wochenbettdepression hat auch einen Einfluss auf Ihr Kind. Viele Frauen sind nicht mehr oder nur noch begrenzt in der Lage, sich um ihr Kind zu kümmern und dessen Bedürfnisse zu stillen. Dies merkt das Baby natürlich. Es wird unruhig, vielleicht auch apathisch oder kann sich zu einem Schreibaby entwickeln. Einige Babys von Betroffenen übernehmen teilweise sogar die Kommunikationsmuster, die Mütter aufweisen. Das bedeutet, es fällt ihnen schwer, zu lächeln, sich an Dingen zu erfreuen, zur Ruhe zu kommen und Spaß am Leben zu haben. Mögliche Konsequenzen sind Verzögerungen bei der Entwicklung von Ihrem Baby. Zudem kann sich die Wochenbettdepression auf Ihr Familienleben und die Partnerschaft auswirken. Gerade Ihr Partner hat es schwer, Sie zu erreichen. Vielleicht muss er zudem täglich zur Arbeit, kann Sie nicht unterstützen und ist mit seinen Sorgen ebenfalls allein. Durch die Therapie ist es möglich, eine schnelle Verbesserung zu erzielen, die für Sie und Ihre ganze Familie besonders wichtig ist.

Soforthilfe

Scheuen Sie sich nicht, Soforthilfe in Anspruch zu nehmen. Die Hilfe erfolgt telefonisch – das löst die Depression nicht, kann aber schlimmere Probleme abwenden. Dafür gibt es 2 Hotlines, die wir empfehlen können:

Die Unterschiede zum Baby Blues und der Wochenbettpsychose

Nicht zu verwechseln ist die Postnatale Depression mit dem Baby Blues, auch wenn beides häufig in einem Atemzug genannt wird. Der Baby Blues unterscheidet sich jedoch sehr stark zu einer echten Wochenbettdepression. Rund acht von zehn Müttern verspüren wenige Tage nach der Geburt das Gefühl, immer weinen zu können. Sie fühlen sich unsicher und ängstlich und es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Eine starke Erschöpfung und die Angst, die neue Situation nicht schaffen zu können, sind weitere Hinweise auf den Baby Blues.

Es wird davon ausgegangen, dass hormonelle Veränderungen den Baby Blues hervorrufen. Normalerweise verschwinden diese unsicheren Gefühle schon nach wenigen Tagen wieder. Teilweise halten sie sogar nur ein paar Stunden an. Es wird empfohlen, sich im Wochenbett viel Zeit für Ruhe und Entspannung zu geben. Gemeinsam mit dem Baby einzuschlafen, sich keinen Stress zu machen und vielleicht auch Besuch auszuladen, sind die besten Schritte, um schnell wieder glücklich zu werden. Es ist nicht notwendig, Medikamente einzunehmen.

Während der Baby Blues lediglich eine sanfte Variante der Hormonumstellung darstellt, gibt es auch die Wochenbettpsychose, die einen starken Einfluss auf das Leben der Mutter und auch das Kind haben kann. Sie ist ebenfalls nicht mit der Postnatalen Depression zu vergleichen, da es sich hier um eine starke Psychose handelt.

Die Wochenbettpsychose wird auch als Puerperale Psychose bezeichnet und war früher unter dem Namen „Stillpsychose“ bekannt. 1 von 1.000 Müttern ist von dieser Erkrankung betroffen. Es handelt sich hierbei um eine psychotische Erkrankung, die innerhalb der ersten drei Wochen nach der Geburt auftreten kann. Symptome für eine Erkrankung sind starke Konzentrationsstörungen sowie ein Interessenverlust gegenüber dem Kind. Wahrnehmungsstörungen und Sinnestäuschungen sind weitere Anzeichen. Die schwerwiegendste Komplikation der Erkrankung ist die Affekthandlung, die zur Kindstötung führen kann. Dies ist in 4% der Erkrankungen der Fall.

Die Gabe von Medikamenten als Therapie ist unbedingt notwendig. Nach der Diagnostik wird der Arzt mit Neuroleptika arbeiten sowie Antidepressiva und Benzodiazepine einsetzen.

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