Die Sorgerechtsverfügung & Sorgerechtsvollmacht

Etwa 1.000 Kinder werden in Deutschland jedes Jahr zu Vollwaisen. Auch wenn das kein schönes Thema ist, sollten sich Eltern rechtzeitig Gedanken machen, wer das Sorgerecht für ihre Kinder erhält, wenn etwas passieren sollte und beide Elternteile sterben. Viele glauben, dass nahe Verwandte das Sorgerecht erhalten, doch das ist nicht immer der Fall. Auch Taufpaten erhalten es nach dem Gesetz nicht unbedingt. Deshalb sollten Sie das Ganze frühzeitig in die Hand nehmen und regeln. Wie, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit der Sorgerechtsverfügung haben Eltern die Möglichkeit zu bestimmen, an wen das Sorgerecht für ihre minderjährigen Kinder nach dem Tod der Eltern übertragen werden soll
  • Formvorschriften beachten (wie beim Testament)
  • Ideal: Kombination von Sorgerechtsverfügung und Sorgerechtsvollmacht

Einfach ist es, wenn beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht haben und nur ein Elternteil verstirbt: Dann erhält das andere Elternteil das alleinige Sorgerecht. Das passiert ganz automatisch, ohne dass das Gericht einen Vormund bestellen muss. Auch wenn die Eltern getrennt leben oder geschieden sind, funktioniert das so.

Schwieriger wird es, wenn beide Elternteile sterben oder so schwer erkranken, dass sie sich nicht mehr um die Kinder kümmern können. In solchen Fällen kann man eine Sorgerechtsverfügung oder eine Sorgerechtsvollmacht aufsetzen. Man nennt die Dokumente auch vereinfacht „Elterntestament“.

Was passiert ohne Sorgerechtsverfügung?

Wenn beide Elternteile sterben, muss das Familiengericht einen Vormund bestimmen. Das ist meist ein naher Verwandter, muss es jedoch nicht sein. Erst ab einem Alter von 14 Jahren haben die Kinder bei der Entscheidung ein Mitspracherecht. Es kann jedoch unter Umständen schwer werden herauszufinden, zu welchem Familienmitglied das Kind die beste Beziehung hat. Auch die Deckungsgleichheit bei Erziehungsfragen mit denen der Eltern lässt sich nicht feststellen. Besser wäre es daher, wenn Sie sich überlegen, wer Ihr Kind am besten weiter aufziehen und betreuen könnte.

Was passiert mit Sorgerechtsverfügung?

Mit einer Sorgerechtsverfügung können Sie als Eltern bestimmen, wer sich im Todesfall um Ihre Kinder kümmern soll. Dazu müssen Sie zunächst eine oder mehrere Personen bestimmen, die das Sorgerecht zugesprochen bekommen sollen. Das können zum Beispiel die Großeltern, Tante, Onkel oder Freunde sein. Bedenken Sie dabei am besten das Alter, den Wohnort und die Lebenssituation und sprechen Sie mit der Person im Vorfeld genau über die Konsequenzen. Wenn Sie mehrere Kinder haben, sollten sie im Idealfall nicht getrennt werden. Gerade wenn die Person schon mehrere Kinder hat oder plant, sollte die Sorgerechtsverfügung gut überdacht sein. Räumen Sie der ausgewählten Person in jedem Fall Bedenkzeit ein und beachten Sie verändernde Lebensumstände. Im Idealfall fragen Sie jährlich nach, ob die Vereinbaren so weiterhin gewünscht ist und eingehalten werden kann. Durch sich verändernde Lebensumstände kann sich eine solche Entscheidung natürlich auch verändern und gilt nicht immer auf Lebenszeit. Bestimmen Sie jedoch nie einen Vormund, der selbst von seiner Aufgabe noch nichts weiß.

Wenn eine solche Verfügung vorliegt, erleichtern Sie dem Richter in jedem Fall die Entscheidung bei der Bestimmung des Vormundes. In der Regel halten sich die Gerichte an den Wunsch, es sei denn das Wohl des Kindes ist durch die Entscheidung gefährdet. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn die Großmutter als Sorgeberechtigte angegeben ist, die körperlich jedoch so stark eingeschränkt ist, dass sie sich nicht um das Kind kümmern kann.

So setzen Sie die Sorgerechtsverfügung auf

Die Sorgerechtsverfügung ist ein Testament und hier gilt es, gewisse Formvorschriften zu beachten damit es gültig ist. Die Erklärung muss von Ihnen persönlich und komplett handschriftlich verfasst worden sein. Es muss mit dem aktuellen Datum + Ort versehen sein und Sie müssen es mit Vor-und Nachnamen unterschreiben. Ein Dokument auf dem Computer verfassen und einfach unterschreiben würde dieser Formvorschrift nicht entsprechen und unwirksam sein. Sie können gern unser Muster einer Sorgerechtsverfügung nutzen, schreiben Sie es jedoch bitte handschriftlich ab.

Muster einer Sorgerechtsverfügung

Für den Fall, dass für unsere minderjährigen Kinder wegen Todes eine Vormundschaft angeordnet wird, benennen wir folgenden Vormund: _______________

Ort, Datum, Unterschrift eines Elternteils

Dies ist auch mein Wille.

Ort, Datum, Unterschrift des anderen Elternteils

Hinweis: Dieses Muster gilt für verheiratete Paare. Wenn Sie nicht verheiratet sind, müssen Sie beide separate Erklärungen abgeben.

Achten Sie außerdem auf einen geeigneten Aufbewahrungsort: Wenn die Sorgerechtsverfügung nicht auffindbar ist, wird sie auch nicht wirksam. Sie können sie zum Beispiel bei einem Notar hinterlegen oder bei dem von Ihnen benannten Vormund. Man kann sie gegen eine Gebühr (ca. 150 Euro) auch beim Nachlassgericht hinterlegen. Es empfiehlt sich nicht, das Dokument in der eigenen Wohnung in einem Ordner aufzubewahren.

Personen in der Sorgerechtsverfügung ausschließen

Was in die eine Richtung funktioniert, geht auch in die andere Richtung: Sie können in der Sorgerechtsverfügung Personen ausschließen, die in keinem Fall das Sorgerecht erhalten dürfen. Die Entscheidung sollten Sie kurz begründen, damit das Gericht sie nachvollziehen kann. Auch wenn Sie einer bestimmten Person das Sorgerecht zusprechen, sollten Sie immer im Hinterkopf behalten, dass diese im Fall aller Fälle das Sorgerecht auch ablehnen kann. Das Gericht würde dann einen passenden Nachfolger suchen. Ausschlüsse sind dann sinnvoll, wenn bestimmte Personen (wie zum Beispiel der Ex-Partner) in keinem Fall das Sorgerecht erhalten sollen.

Wie sieht es finanziell für den Vormund aus?

Ihrem Kind stehen nach Ihrem Tod weiterhin Kindergeld und zusätzlich eine Waisenrente zu. Die Waisenrente soll das Kind finanziell absichern, wenn die Eltern es nicht mehr versorgen können. Sie steht dem Kind dann zu, wenn Sie mindestens 5 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Die Waisenrente und das Kindergeld würde der neue Vormund dann erhalten.

TIPP: Weitere Absicherung mit der Risikolebensversicherung
Mit einer Risikolebensversicherung können Sie eine zusätzliche Absicherung für Ihre Kinder nach dem Tod schaffen. Informieren Sie sich dazu am besten frühzeitig.

Ein Schritt weiter: Die Sorgerechtsvollmacht

Es kann jedoch auch passieren, dass beide Elternteile nicht sterben, jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, das Sorgerecht auszuüben. In diesem Fall erhält ein minderjähriges Kind einen Vormund. Mit einer Sorgerechtsvollmacht können Sie in diesem Fall das Sorgerecht übertragen. Wie auch bei der Sorgerechtsverfügung hält sich das Vormundschaftsgericht in der Regel an diesen Wunsch, sofern das Kindswohl nicht gefährdet ist.

Das Erstellen einer Sorgerechtsvollmacht ist im Vergleich zur Sorgerechtsverfügung im BGB nicht gelöst. Damit es jedoch keine Probleme bei der Anerkennung gibt, sollten Sie sich wie auch bei der Verfügung an die Form des Testaments halten: Erstellen Sie die Vollmacht komplett händisch mit dem aktuellen Datum + Ort und unterschrieben mit Vor-und Nachnamen.

Muster einer Sorgerechtsvollmacht

Für den Fall, dass ich die elterliche Sorge nicht mehr ausüben kann, benenne ich für meine minderjährigen Kinder folgenden Vormund: ________________

Wenn die vorstehend genannte Person nicht als Vormund eingesetzt werden kann, soll ersatzweise die im Folgenden genannte Person zum Vormund bestellt werden: ________________

Ich möchte nicht, dass folgende Personen als Vormund bestellt werden: ________________

Diese Erklärung kann ich jederzeit widerrufen.

Ort, Datum, Unterschrift eines Elternteils

Hinweis: Dieses Muster gilt für verheiratete Paare. Wenn Sie nicht verheiratet sind, müssen Sie beide separate Erklärungen abgeben.

Tipp: Sorgerechtsverfügung und Sorgerechtsvollmacht kombinieren

Es macht Sinn, beide Dokumente in einem Rutsch zu erstellen und dann auch miteinander zu kombinieren. Ein Muster dazu geben wir Ihnen auch mit an die Hand:

Muster einer Kombination

Für den Fall, dass ich die elterliche Sorge wegen Krankheit oder Tod nicht mehr ausüben kann, benenne ich für meine minderjährigen Kinder folgenden Vormund: ________________

Diese Erklärung können wir jederzeit widerrufen.

Ort, Datum + Unterschrift eines Elternteils

Dies ist auch mein Wille.

Ort, Datum und Unterschrift des anderen Elternteils

Hinweis: Dieses Muster gilt für verheiratete Paare. Wenn Sie nicht verheiratet sind, müssen Sie beide separate Erklärungen abgeben.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Kann der Vormund auch ablehnen?

Ja das kann er, allerdings braucht er dazu wirklich gute Gründe. Das ist zum Beispiel der Fall wenn seine Lebenssituation die Betreuung unmöglich macht oder er selbst Kinder hat. Ab einem Alter von 60 Jahren darf der potenzielle Vormund auch ablehnen, weil er sich dafür zu alt fühlt.

Tipp: Geben Sie in der Sorgerechtsverfügung einen Ersatz-Vormund, quasi als „Plan B“ an.

Was passiert, wenn das Kind nicht einverstanden ist?

Ab einem Alter von 14 Jahren können Kinder Einspruch gegen den festgelegten Vormund einlegen. Das Gericht wird diese Entscheidung dann mit berücksichtigen. Im Grunde geht es ja nur um das Kindswohl.

Sollte ich die Sorgerechtsverfügung irgendwann erneuern?

Ja, am besten alle 2-3 Jahre erneut mit neuem Datum aufsetzen. Die Gerichte wissen so zum Einen, dass die Entscheidung aktuell ist und es ist ein guter Anlass, um mit der benannten Person noch einmal über die Aktualität und eventuell veränderte Lebensumstände zu sprechen.


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