Elternzeit

Elternzeit: Das müssen Sie wissen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Elternzeit ist eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit
  • Es besteht ein Rechtsanspruch auf Elternzeit bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes
  • Anspruch haben nur Eltern, die ihr Kind selbst betreuen
  • Während der Elternzeit gibt es einen Kündigungsschutz

Die Elternzeit ist ein gesetzlich festgelegter Zeitraum, den Eltern nach der Geburt Ihres Kindes in Anspruch nehmen können. Der Arbeitgeber zahlt in diesem Zeitraum kein Gehalt. Stattdessen können Eltern das Elterngeld beantragen.

Wer hat Anspruch auf Elternzeit?

Die Anspruchsgrundlagen für den Zeitraum der Elternzeit sind im §15 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG) festgehalten. Der Anspruch selbst ist unabhängig davon, wo der Anspruchsinhaber seinen Wohnsitz hat. Wichtig ist lediglich, dass der Anspruchsinhaber einen Arbeitsvertrag vorweisen kann, der auf dem deutschen Arbeitsrecht basiert.

Geltend machen können Sie den Elternzeitanspruch dann, wenn Sie die Zeit für die Betreuung und Erziehung eines Kindes verwenden, das in Ihrem Haushalt lebt. Damit Sie die Elternzeit auch wirklich in Anspruch nehmen können, muss ein andauerndes Arbeitsverhältnis zu Beginn bestehen.

Interessant: Es ist nicht wichtig, wie lange Ihr Arbeitsverhältnis noch dauert, ob es befristet oder unbefristet ist, ob Sie sich in einer Nebenbeschäftigung befinden oder in der Ausbildung sind. Wichtig ist nur der Nachweis von einem Arbeitsverhältnis.

Zudem muss der Arbeitnehmer für die Betreuung und Erziehung seines Kindes selbst verantwortlich sein. Eine Unterstützung durch Dritte ist allerdings möglich. Sie können also auch dann Elternzeit nehmen, wenn ein Au-pair oder Oma und Opa auf das Kind unterstützend aufpassen.

Die Elternzeit steht Ihnen auch dann zu, wenn das zu betreuende Kind nicht Ihr leibliches Kind ist. Sie können auch für Adoptivkinder oder die Kinder Ihres Lebenspartners in Elternzeit gehen.

Elternzeit für Großeltern:
Großeltern haben die Möglichkeit, Großelternzeit zu nehmen. Das funktioniert jedoch nur dann, wenn die Eltern des Kindes noch minderjährig sind oder sich im letzten oder vorletzten Jahr ihrer Ausbildung befinden. Diese muss allerdings vor dem 18. Lebensjahr begonnen worden sein.

Wie lange dürfen Sie Elternzeit nehmen?

Bis Ihr Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat, hat jeder Elternteil einen Anspruch auf Elternzeit und diese darf auch bis zu drei Jahre (36 Monate) betragen. Es gibt eine Sonderregelung, die Sie in Anspruch nehmen können: Wurde Ihr Kind vor dem 30. Juni 2015 geboren, so können Sie bis zu 12 Monate der Elternzeit aufsparen und diese bis zum 8. Geburtstag Ihres Kindes nehmen. Wurde Ihr Kind ab dem 1. Juli 2015 geboren, besteht diese Möglichkeit sogar für bis zu 24 Monate. Die Zustimmung des Arbeitgebers ist allerdings Voraussetzung. Die 8 Wochen Mutterschutz werden übrigens mit der Elternzeit verrechnet und verlängern diese nicht.

Es ist möglich, dass beide Elternteile zusammen die Elternzeit nehmen oder nacheinander. Zu beachten ist jedoch, dass das Elterngeld nur in den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes gezahlt (Ausnahme: Elterngeld Plus) wird und auch nicht für beide Elternteile parallel. Sofern beide Eltern parallel Elternzeit nehmen, erhalten sie nur ein Elterngeld und müssen den Rest aus finanziellen Reserven überbrücken. Das klassische Modell ist das 12+2 Modell, bei dem die Mutter 12 Monate Elterngeld erhält und der Vater 2 Monate (Partnermonate). Entsprechend dieser Zeit wird in der Regel auch die Elternzeit vereinbart. Immer häufiger nehmen Väter jedoch auch mehr Elternzeit, um mehr Zeit mit dem Neugeborenen verbringen zu können.

Damit Sie Ihren Anspruch geltend machen können, muss der Arbeitgeber jedoch rechtzeitig informiert werden. Das heißt, der Antrag muss beim Arbeitgeber mindestens sieben Wochen vor dem Beginn der Elternzeit eingehen. In dem Antrag müssen die Dauer sowie der Zeitpunkt von Beginn und Ende vermerkt werden. Wer seine Elternzeit in zwei Teile aufteilen möchte, muss dies ebenfalls beantragen.

Jeder Elternteil kann seine Elternzeit bis zum 8. Geburtstag des Kindes in bis zu 3 Etappen aufteilen.

Wie funktioniert der Antrag auf Elternzeit?

Den Antrag auf Ihre Elternzeit reichen Sie mindestens sieben Wochen vor Ihrem Antritt beim Arbeitgeber ein. Können Sie die Frist nicht einhalten, dann verschiebt sich der Beginn Ihrer Elternzeit nach hinten. Sie können sich online ein Elternzeit-Formular herunterladen. Das ist aber nicht notwendig, Sie können auch einfach formlos die Elternzeit beantragen. In Ihrem Antrag müssen jedoch die drei folgenden Punkte stehen:

  1. Der Beginn Ihrer Elternzeit
  2. Das Ende Ihrer Elternzeit
  3. Mögliche Zeiträume für die Aufteilung der Elternzeit

Die nachfolgenden Tipps helfen Ihnen dabei zu verhindern, dass es zu Problemen bei Ihrem Antrag kommt:

  • Lassen Sie sich Ihre Absprachen von Ihrem Chef schriftlich bestätigen. Die Bestätigung brauchen Sie u.a. auch für den Elterngeldantrag.
  • Lassen Sie sich auch den Empfang des Antrages schriftlich bestätigen, damit Sie nachweisen können, dass der Antrag pünktlich eingegangen ist.
  • Überlegen Sie sich vor dem Antrag, ob Sie Elternzeit für später aufsparen möchten.
  • Sie können während der Elternzeit bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten. Möchten Sie das tun, sollten Sie das frühzeitig mit Ihrem Chef absprechen.

Hinweis: Mit den Veränderungen in Bezug auf die Elternzeit zum 1. Juli 2015 wurde festgelegt, dass Sie nun 24 Monate zwischen dem 3. und 8. Geburtstag Ihres Kindes nehmen dürfen, wenn Sie dies möchten. Zudem ist die Aufteilung der Elternzeit in drei Teile möglich. Eine Zustimmung durch Ihren Arbeitgeber ist nicht notwendig. Den zweiten und dritten Teil der Elternzeit müssen Sie jedoch 13 Wochen vor Antritt bei Ihrem Arbeitgeber beantragen. Bei dringenden betrieblichen Gründen kann durch den Arbeitgeber auch eine Ablehnung erfolgen, wenn es sich um den dritten Zeitabschnitt Ihrer Elternzeit handelt.

Der Kündigungsschutz in der Elternzeit für Mutter & Vater

Werdende Mütter unterliegen mit der Mitteilung über die Schwangerschaft an ihren Arbeitgeber dem Mutterschutzgesetz. Sie können während der Zeit der Schwangerschaft, im Mutterschutz und der Elternzeit nicht gekündigt werden. Anders ist dies bei Vätern, die in Elternzeit gehen. Bei ihnen beginnt der Kündigungsschutz erst acht Wochen vor dem Eintritt in die Elternzeit. Spätestens sieben Wochen vorher müssen sie den Antrag jedoch einreichen. Väter haben daher nur eine Woche Zeit, in der sie den Antrag ohne Angst vor einer Kündigung einreichen können. Wer seinen Antrag auf Elternzeit früher einreicht, riskiert tatsächlich eine Kündigung!

Arbeiten während der Elternzeit – wann ist es sinnvoll?

Es gibt viele Gründe die dafür sprechen, auch während der Elternzeit noch ein wenig arbeiten zu gehen. Vielleicht möchten Sie Ihren Arbeitgeber weiter unterstützen oder teilen sich die Elternzeit mit Ihrem Partner und wollen daher nicht die gesamte Zeit zu Hause sein. Möglicherweise ist es aber auch ein finanzieller Aspekt.

Wichtig: Erhalten Sie während der Elternzeit Elterngeld, dann können Sie Geld dazuverdienen. Bedenken Sie jedoch, dass dieses mit angerechnet wird. Durch die Elterngeldstelle wird vom Netto Ihres Elterngeldes und dem Zuverdienst der Differenzbetrag ermittelt und die Zahlung des Elterngeldes nach unten angepasst.

Doch wann lohnt sich denn nun der Zuverdienst während der Elternzeit? Wenn Sie sich für das Elterngeld Plus entscheiden, dann können Sie deutlich profitieren. Mit einem Beispiel ist es einfacher nachzuvollziehen, wie die finanziellen Möglichkeiten aussehen.

Mutter verdiente im 12-monatigen Bemessungszeitraum 1.500 Euro netto. In Teilzeit würde sie 1.000 Euro bei 20 Stunden / Woche verdienen.

  • Basiselterngeld pro Monat: 1.500 Euro x 0,65 (65%) = 975 Euro
  • Basiselterngeld pro Monat, wenn Sie in Teilzeit arbeitet: 1.500 Euro – 1.000 Euro = 500 Euro -> 500 Euro x 0,65 = 325 Euro (12 Monate)
  • Elterngeld Plus pro Monat: 1.500 Euro x 0,65 (65%) = 975 Euro -> 975 Euro / 2 = 487,50 Euro
  • Elterngeld Plus pro Monat, wenn Sie in Teilzeit arbeitet: 1.500 Euro – 1.000 Euro = 500 Euro -> 500 Euro x 0,65 = 325 Euro (24 Monate)

Der Antrag auf Teilzeit an Ihren Arbeitgeber

Möchten Sie während der Elternzeit weiter in Teilzeit arbeiten, so müssen Sie einen Antrag bei Ihrem Arbeitgeber einreichen. Dieser kann den Antrag allerdings auch ablehnen. Dafür muss er jedoch die notwendigen betrieblichen Gründe vorlegen, die gegen eine Beschäftigung in Teilzeit sprechen. Ein möglicher Grund wäre, dass Sie eine Stelle haben, bei der eine Arbeit in Teilzeit gar nicht möglich ist. Kann der Arbeitgeber keine relevanten Gründe vorbringen, dann darf er Ihren Antrag auf Teilzeitarbeit nicht ablehnen.

Erhalten Sie keine Ablehnung innerhalb von vier Wochen nach Abgabe Ihres Antrages, gilt dieser als akzeptiert. Beantragen Sie die Teilzeit für den zweiten oder dritten Elternzeit-Bereich, dann ist eine Ablehnung durch den Arbeitgeber innerhalb von acht Wochen nach Antragstellung möglich.

Wie geht es nach der Elternzeit weiter?

Ist Ihre Elternzeit beendet, dann läuft Ihr Arbeitsvertrag einfach weiter und Sie erhalten die Bedingungen, die auch vor der Elternzeit schon bestanden. Wenn Sie eine Teilzeitbeschäftigung beantragt haben, dann endet diese automatisch nach der Elternzeit und Sie werden wieder in Vollzeit eingesetzt, soweit Sie eine Vollzeitstelle haben.

Einen Anspruch auf Ihren alten Arbeitsplatz haben Sie nicht, so lange Ihr Arbeitgeber Ihnen einen gleichwertigen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Hier kann er sich auf den §106 GewO berufen. Ein Wechsel des Arbeitsortes kann ebenfalls erfolgen. Das Weisungsrecht des Arbeitgebers beruht auf den vertraglichen Vereinbarungen und kann daher variieren.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wann beginnt die Elternzeit frühestens?

Die Elternzeit beginnt für die Mutter direkt nach dem Mutterschutz (8 Wochen nach der Geburt des Kindes). Für Väter beginnt sie frühestens mit der Geburt des Kindes.

Gibt es eine Mindestdauer bei der Elternzeit?

Ja, die Mindestelternzeit beträgt 2 Monate, die jedoch nicht zusammenhängend genommen werden müssen.

Können beide Elternteile zeitgleich Elternzeit nehmen?

Ja, das ist möglich und zwar auch dann, wenn beide Elternteile in derselben Firma beschäftigt sind. Jeder Antrag auf Elternzeit muss als Individuum betrachtet werden, unabhängig davon, ob der Partner ebenfalls einen Antrag auf Elternzeit stellt. Im Prinzip könnten beide Eltern parallel 3 Jahre lang Elternzeit nehmen. Zu beachten ist jedoch, dass das Elterngeld nur in den ersten 14 Monaten voll gezahlt wird und immer nur für einen Elternteil. Entsprechend muss der Zeitraum mit finanziellen Reserven überbrückt werden.

Kann eine Kündigung nach der Elternzeit erfolgen?

Ja, sobald Ihre Elternzeit beendet ist, haben Sie keinen besonderen Kündigungsschutz mehr und können, unter Einhaltung der rechtlichen Vorgaben, gekündigt werden.

Kann ich auch nach der Elternzeit weiter in Teilzeit arbeiten?

Ja, das ist möglich. Der Arbeitgeber darf den Antrag auf Teilzeit nur ablehnen, wenn er wichtige betriebliche Gründe vorlegen kann.

Ist eine Fortbildung in der Elternzeit möglich?

Ja, Sie können an betriebsinternen Fortbildungen teilnehmen oder auch an Kursen von Fernunis und Volkshochschulen teilnehmen. Dies steht nicht im Widerspruch zur Elternzeit. Auch Förderungen z.B. von der Agentur für Arbeit können auf Wunsch in dieser Zeit in Anspruch genommen werden.

Wird die Mutterschutzfrist auf die Elternzeit angerechnet?

Ja sie wird angerechnet. Bei maximal 3 Jahren Elternzeit würde die Elternzeit spätestens am 3. Geburtstag des Kindes enden, trotz der 8 Wochen Mutterschutzfrist direkt nach der Geburt. Sie wird auf die Elternzeit angerechnet.

Was passiert, wenn in der Elternzeit ein Geschwisterkind geboren wird?

Sofern noch in der Elternzeit des ersten Kindes ein zweites Kind geboren wird, wird auch die Elternzeit nicht unterbrochen oder beendet. Der Elternzeit-Anspruch beträgt für jedes einzelne Kind 3 Jahre. Sie können die Elternzeiten jedoch variabel einteilen und somit bei zwei kurz aufeinanderfolgenden Kindern bis zu 6 Jahre Elternzeit nehmen.

Wieviel Elternzeit steht mir bei Zwillingen oder Mehrlingen zu?

Der Elternzeitanspruch von maximal 3 Jahren gilt immer pro Kind. Sollten Sie Zwillinge bekommen, haben Sie theoretisch Anspruch auf 6 Jahre Elternzeit. Diese muss jedoch nacheinander genommen werden. Da 2 der 3 Jahre Elternzeit immer bis zum 3. Geburtstag des Kindes genommen werden müssen, verfällt allerdings 1 Jahr Elternzeitanspruch. Sie haben also effektiv einen Anspruch von 5 Jahren Elternzeit bei Zwillingen.

Haben Sie Fragen zur Elternzeit? Dann schreiben Sie sie uns in die Kommentare!


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