3-Monats-Koliken: Nie wieder stundenlanges Schreien!

Die „3-Monats-Koliken“ sind ein Sammelbegriff für heftiges, langanhaltendes und scheinbar grundloses Schreien beim Baby. Mama und Papa sind nicht selten völlig fertig und hilflos von dem stundenlangen Schreien. Häufig lautet die vermeintliche Ursache Bauchschmerzen und Blähungen. Doch das ist es in den meisten Fällen nicht. Was die 3-Monats-Koliken wirklich sind und wie Sie sich und Ihrem Baby helfen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • 3-Monats-Koliken betreffen etwa 20-30% der Babys
  • Dauer: bis 3 Monate, im Einzelfall auch länger
  • Blähungen und Bauchschmerzen sind oft gar nicht das Problem
  • Prüfen Sie auch Unverträglichkeiten und das KiSS-Syndrom
  • Meist sind es Anpassungsschwierigkeiten nach der Geburt, die man mit einigen Tricks gut in den Griff bekommen kann (siehe hier)

Etwa 20-30% der Baby leiden unter diesen Dreimonatskoliken, Jungs häufiger als Mädchen. Sie sind nicht nur für das Baby belastend: Viele Eltern fühlen sich total überfordert und wer schon einmal stundenlanges Babygeschrei miterlebt hat, kann das wahrscheinlich gut nachvollziehen. Viele gehen schon bald zum Kinderarzt und lassen ihr Baby durchchecken. In den meisten Fällen sagt der Arzt, dass alles völlig ok sei. „Das sind nur die 3-Monats-Koliken, da müssen Sie durch. In 3 Monaten ist alles vorbei“. Doch ist das wirklich ein befriedigendes Feedback? Warum muss man das denn so hinnehmen und kann man seinem Baby nicht doch irgendwie helfen? Doch kann man – aber alles der Reihe nach.

Die Ursache der 3-Monats-Koliken finden

Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, dass es keine eindeutig bekannte Ursache für die 3-Monats-Koliken gibt. Das Geschrei beginnt meist etwa in der 2. Woche und hört bei vielen Babys nach 3-4 Monaten auf oder lässt deutlich nach. Lassen Sie uns nach der Ursache bei Ihrem Baby suchen und gehen Sie die folgende Liste der Reihe nach durch.

1) Blähungen und Bauchschmerzen

Das Verdauungssystem ist in den ersten 3 Monaten noch nicht ausgereift und muss sich erst entwickeln. Wenn Ihr Kind wirklich Blähungen hat, erkennen Sie dies recht einfach: Es hat einen verhärteten Bauch und es zieht krampfhaft die Beine an den Bauch und versucht dabei zu pupsen – es passiert jedoch nichts. Früher (und teilweise noch heute) war man der Auffassung, dass die Mutter etwas falsches bzw. Blähendes gegessen haben muss und die Nahrung deshalb zu Blähungen beim Baby führt. Das ist jedoch nur in ganz wenigen Fällen so – die Nahrung der Mutter wird von ihr verdaut und gelangt nur zu einem ganz kleinen Teil in die Muttermilch. Kohl, Brokkoli und Hülsenfrüchte verursachen in den wenigsten Fällen Blähungen beim Baby. Sie können es jedoch selbst herausfinden: Verzichten Sie ein paar Tage auf blähende Lebensmittel. Sollten Sie keine Veränderung feststellen, können Sie dies ausschließen und weiter überlegen. Das Ausschlussverfahren ist hierbei in jedem Fall sinnvoll.

Blähungen beim Baby entstehen meist dadurch, dass es zu viel Luft beim Trinken schluckt. Achten Sie deshalb auf den Stillvorgang: Legen Sie Ihr Baby so an, dass es möglichst wenig Luft schluckt. Wenn es ideal angelegt ist, sollte es eigentlich gar keine Luft schlucken. Die Luft kann nur durch einen Pups oder ein Bäuerchen entweichen. Lassen Sie Ihr Baby deshalb beim Trinken häufiger aufstoßen und nicht nur am Ende. Wenn Sie zu viel Milch produzieren, dann streichen Sie die Brust vorher vielleicht etwas aus.

Wenn Sie Ihrem Baby ein Fläschchen geben, dann lassen Sie es nach der Zubereitung am besten noch ein paar Minuten stehen, sodass sich die Schaumblasen auflösen können, die beim Schütteln entstanden sind. Die sind nämlich nichts anderes als Luft, die Ihr Baby schluckt. Außerdem sollte das Loch des Saugers nicht zu groß sein, da es sich sonst schneller verschlucken kann.

Schnelle Hilfe bei akuten Blähungen

Wenn Ihr Baby unter akuten Blähungen leidet, ist es wichtig, dass Sie schnell reagieren. Mit der nachfolgenden Checkliste haben Sie schnelle Hilfe an der Hand, die Sie ausprobieren können.

  • Wärmekissen: Erwärmen Sie ein Dinkel- oder Kirschkernkissen und legen Sie es vorsichtig auf den Bauch des Babys.
  • Massage: Reiben Sie den Bauch des Babys mit Öl ein und führen Sie eine entspannende Massage um den Bauchnabel herum im Uhrzeigersinn durch.
  • Warmes Bad: Ein warmes Bad kann helfen, dass sich der Bauch entspannt.
  • Kümmelsud: Kümmelsud kann eine gute Hilfe sein. Heißes Wasser wird über Kümmelsamen gegossen, der Sud zieht kurz und wird nach dem Abkühlen über den Löffel verabreicht.
  • Fliegergriff: Der Fliegergriff sorgt mit etwas Druck dafür, dass sich die Winde im Bauch lösen.
  • Tragetuch: Einige Babys beruhigen und entspannen sich, wenn Sie eng am Körper von Mama oder Papa im Tragetuch sind.
  • Schaumlöser: Schaumlösende Medikamente können Blähungen schnell lindern.

2) Laktoseintoleranz oder Kuhmilchunverträglichkeit?

Etwa 1-3 % der vollgestillten Kinder leiden unter einer Kuhmilchallergie. Verzichten Sie als Mutter einfach für etwa 7-10 Tage auf alle Kuhmilchprodukte und schauen Sie, ob sich etwas verändert. Wenn es sich um eine Laktoseintoleranz handelt, müssten Sie die Muttermilch abpumpen und ihr das Enzym Laktase zusetzen oder auf Fläschchennahrung umsteigen. Das können Sie dann jedoch mit einem Kinderarzt im Detail besprechen.

Erhält Ihr Baby Muttermilchersatz und leidet unter einer Kuhmilchallergie oder einer Laktoseintoleranz, dann sollte die Umstellung der Nahrung erfolgen. Es gibt Spezialnahrung, die hier gereicht werden kann. Diese basiert in der Regel auf Sojaprotein und ist gut verträglich.

3) Leidet Ihr Baby am KiSS-Syndrom?

Mit dem KiSS-Syndrom ist eine Fehlstellung der Kopfgelenke gemeint, die dem Baby Schmerzen bereiten kann. Das tritt meist bei komplizierten oder sehr schnellen Geburten auf. Wurde Ihr Kind mit der Saugglocke oder Zange zur Welt geholt? Dann sollten Sie sich mit dem KiSS-Syndrom näher befassen. Häufigste Symptome sind eine einseitige Haltung (wenn das Baby eine „Lieblingsseite“ hat) und wenn das Baby in Rückenlage wie ein „C“ liegt. Das KiSS-Syndrom ist therapierbar – nähere Infos dazu gibt es in diesem Artikel.

4) Wenn alle Punkte nicht zutreffen (und das ist beim Großteil der Babys so)

Bei den meisten Babys ist es jedoch eher eine Anpassungsschwierigkeit. Sie waren monatelang in einem abgedunkelten Raum, haben so etwas wie Hunger oder Müdigkeit nicht gekannt und Geräusche „von außen“ nur sehr gedämpft wahrgenommen. Mit der Geburt hat sich für sie jedoch ALLES geändert: Überall gibt es unterschiedliche Geräusche, das Licht ist viel heller, Hunger macht sich ständig breit und es gibt auch noch sowas wie Kälte. Das ist für viele Babys einfach zu viel auf einmal und sie schreien dadurch. Verdauungsprobleme können durch diesen Stress ebenfalls entstehen. Eine solche Reizüberflutung erkennt man häufig durch lange Schrei-Stunden am Abend. Viele solcher Babys haben es schwer in den Schlaf zu finden, ob wohl sie eigentlich müde sind.

So helfen Sie Ihrem Baby:
Versuchen Sie den Mutterleib nachzuahmen und geben Sie Ihrem Baby ein Stück Sicherheit und Geborgenheit zurück. Versuchen Sie folgende Strategien miteinander zu kombinieren und Sie werden sehen, dass Ihr Baby deutlich weniger und kürzer schreit und auch Sie viel entspanntere Eltern sind:

  • Baby tragen: Tragen Sie das Baby in einem Tragetuch direkt am Körper. Egal ob bei Mama oder Papa, der Körperkontakt ist wichtig und das enge Umschließen durch das Tragetuch. Achten Sie darauf, dass der Kopf vom Tuch schön fest gehalten wird und ruhig wenig Freiheiten hat, um sich in der Welt umzuschauen. In den ersten Wochen geht es noch gar nicht darum, die Welt zu erkunden, sondern mit ihr klarzukommen. Sicherheit und Geborgenheit sind hier wichtiger. Schirmen Sie es also mit dem Tuch ruhig von äußeren Einflüssen ab. Wenn das Baby irgendwann mehr sehen und sich die Welt anschauen möchte, werden Sie es schon bemerken und können die Trageweise verändern oder es mit einem Kinderwagen probieren.
  • Pucken: Beim Pucken geht es darum, das Baby möglichst eng und fest in ein Tuch zu wickeln. Achten Sie darauf, dass sich die Arme nicht befreien können, ansonsten hat das Pucken keinen Effekt. Wir wollen damit eine Begrenzung schaffen, die das Baby schon aus dem Mutterleib kennt. Legen Sie es dann jedoch nicht ab, sondern nehmen Sie es auf den Arm! Zum Pucken können Sie ein einfaches Tuch verwenden. Es gibt auch spezielle Pucksäcke, die jedoch nicht nötig sind.
  • Seiten-und Bauchlage: Einige Babys hassen einfach die Rückenlage. Versuchen Sie es also mit der Bauch-oder Seitenlage. Die Bauchlage können Sie mit dem Fliegergriff umsetzen oder auch im Babybett. Eine ganze Zeit lang war das Bauchschlafen bei so jungen Babys sehr verschrien, einen belegten Zusammenhang zwischen dem Plötzlichen Kindstod und der Bauchlage gibt es jedoch nicht. Entscheiden Sie selbst, was für Ihr Baby das Beste ist. Einige Eltern berichten, dass das Schlafen in Bauchlage für ihr Baby sehr viel angenehmer ist. Die Seitenlage erreichen Sie mit einem zusammengerollten Handtuch, das Sie unter den Rücken Ihres Babys schieben.
  • Weißes Rauschen: Beruhigen Sie Ihr Baby, indem Sie lange und ausdauernd ein Schhhhh-Geräusch machen. Laut und lange. Sie ahmen damit weißes Rauschen nach (wie bei einem Radio, wenn gerade kein Sender eingestellt ist). Auf Dauer wird das allerdings anstrengend – Sie können sich alternativ auch unsere MP3-Dateien kostenlos herunterladen und abspielen.
  • Schaukeln: Schaukeln (Nicht schütteln!) Sie Ihr Baby, wenn Sie es auf dem Arm haben. Viele Eltern berichten, dass ein Hoch-Runter-Schaukeln am effektivsten ist. Achten Sie darauf, dass der Kopf gestützt ist und wippen Sie auf und ab – jedoch nicht zu langsam, sondern eher als würden Sie zittern. Der Kopf des Babys sollte dabei ein wenig wackeln, als würden Sie mit dem Auto über Kopfsteinpflaster fahren. Nochmal der Hinweis: Niemals das Kind schütteln, sondern nur leicht schaukeln.
  • Saugen: Lassen Sie Ihr Baby an Ihrem Finger oder einem Schnuller saugen, das beruhigt es ebenfalls. Wenn es den Schnuller noch nicht nimmt, dann üben Sie: Sobald das Baby leicht daran saugt, ziehen sie etwas am Schnuller. Im Idealfall saugt das Baby dann stärker, um ihn im Mund zu behalten und lernt das Saugen.

Bei fast allen Babys, die an den „3-Monats-Koliken“ leiden, trifft Punkt Nummer 4 zu. Es ist trotzdem sinnvoll, alle Punkte zu prüfen, um dem Baby wirklich zu helfen. Machen Sie sich jedoch immer klar: Wenn Sie durch Wippen, Pucken oder Geräusche Ihr Baby beruhigen können, dann trifft Punkt 4 zu und Ihr Baby hat keine Schmerzen. Schmerzschreie würden davon nicht aufhören.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauern die 3-Monats-Koliken?

Bei den meisten Babys klingen die Koliken nach 3 Monaten deutlich ab. Viele Eltern berichten sogar davon, dass es ziemlich genau nach 3 Monaten war. Bei anderen Babys dauert es 4 Monate oder teilweise auch länger.

Darf ich Medikamente zur Beruhigung geben?

Auch wenn Ihr Leidensdruck wahrscheinlich sehr groß ist, sollten Sie auf Medikamente verzichten. Das viele Schreien Ihres Babys wird Sie sicher stark belasten, aber Ihr Baby sollten Sie nie mit Medikamenten beruhigen. Damit schaden Sie Ihrem Baby wahrscheinlich nur.

Was ist Ihre Erfahrung mit den 3-Monats-Koliken? Schreiben Sie sie uns in die Kommentare!


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